Lara Croft and the Guardian of Light


„Das zweite Leben der Tomb Raider“

Videospielikone Lara Croft mag zwar heute besser aussehen als zu ihrer Anfangszeit in den 90er Jahren, ihre „Tomb Raider“-Reihe aber hat viel von ihrem Glanz verloren. Kaum ein Spiel nach der Originaltrilogie (1996-1998) konnte mehr für Furore sorgen. In der letzten Konsolengeneration war Lara Croft nicht umsonst weit davon entfernt, die Referenzabenteurerin zu sein – dazu hat sie etwa ein Nathan Drake („Uncharted“) schon meilenweit abgehängt. Nachdem mit den letzten „Tomb Raider“-Spielen „Legend“, „Anniversary“ und „Underworld“ (2006-2008) auch nicht der große Wurf gelang, beschloss Crystal Dynamics („Legacy of Kain: Soul Reaver“) mit dem Franchise zweigleisig zu fahren und gab mit „Lara Croft and the Guardian of Light“ den Startschuss für eine Spin-Off-Reihe.

Der Plot von „Lara Croft and the Guardian of Light“ verschwendet keine Zeit, so steigt man scheinbar schon am Ziel von Lara Crofts Abenteuer ins Geschehen ein. Als Lara allerdings den mysteriösen Spiegel des Rauchs untersuchen will, wird sie von Söldnern angegriffen, die den Spiegel an sich reißen und somit den dämonischen Xolotl wieder zum Leben erwecken. Dieser will die Erde natürlich ins Verderben stürzen. Ein Unterfangen, dass Lara zu verhindern hat – und sie bekommt Unterstützung. Beim Ritual ist nämlich ebenfalls der Maya-Kämpfer Totec, Anführer der Armee des Lichts, ins Reich der Lebenden zurückgekehrt.

 

Für das Spin-Off schickt Entwickler Crystal Dynamics das Franchise auf neue Pfade. Zum einen handelt es sich bei „Lara Croft and the Guardian of Light“ um ein exklusives Download-Spiel (für PlayStation 3, XBox 360 und PC) – ein Novum, dass für das Spiel selbst aber eher von geringer Bedeutung ist. Zum anderen schickt man Lara Croft in ein Abenteuer, welches SpielerInnen aus der isometrischen Perspektive verfolgt. Somit erscheint das Franchise in neuem Gewand, besinnt sich aber auf die alten Stärken und bietet Action, Rätsel und Geschicklichkeitspassagen en masse.

 

Dabei zeigt das Spiel Licht und Schatten. Während die Rätsel und die Geschicklichkeitspassagen sehr lange bei Laune halten und erst zum Ende des um die sechs Stunden dauernden Spiels etwas repetitiv werden, beschränkt sich die Action darauf, einfach ohne jegliche Taktik auf die Feinde draufzuhalten. Abwechslung bringen die zu wenigen Bosse, aber auch die vielen unterschiedlichen Waffen sowie Artefakte und Relikte, die gesammelt werden können und Lara sowie Totec mit bestimmten Fähigkeiten ausstatten – stärkere Schüsse, Lebensregeneration, größerer Bombenwirkungsradius.

 

Die erwähnten Schwächen können aber fast über Bord geworfen werden, sobald zwei SpielerInnen am Werk sind. Zu zweit macht das Spiel nämlich enorm viel Spaß, auch weil die Zusammenarbeit überlebenswichtig ist, denn Totec und Lara verfügen über verschiedene Hilfsmittel. Während Totec mit seinem Speer und Schild Plattformen für Lara schaffen kann, arbeitet Lara vor allem mit ihrem Enterhaken. Wer doch alleine unterwegs ist, muss keine Angst vor einer schwachen KI haben, man hat sich dazu entschlossen, Lara einfach den Speer von Totec zu geben, wodurch alle Rätsel und Geschicklichkeitspassagen auch alleine gelöst werden können.

 

Von der technischen Seite kann das Spiel für einen (damaligen) Downloadtitel auf jeden Fall überzeugen. Die Grafik präsentiert sich nämlich äußerst schick und bei großen Explosionen und einstürzenden Gebäuden fühlt man sich wie in einem bombastischen Actionspektakel. Leider fehlt es den Levels etwas an Abwechslung und die Zwischensequenzen hätten etwas spektakulärer sein können, so wurde das grafische Potenzial nicht ganz ausgeschöpft. Musikalisch überzeugt „Lara Croft and the Guardian of Light“, so werden abenteuerliche Melodien geboten, die zwar nicht längerfristig im Gedächtnis bleiben, aber das Abenteuer gut begleiten.

Fazit

Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt bei „Lara Croft and the Guardian of Light“ auf jeden Fall. Für SpielerInnen, die alleine unterwegs sind, bietet das Spiel nette Unterhaltung für Zwischendurch mit einigen Mängeln. Zu zweit entfaltet das Spiel sein gesamtes Potenzial und macht so viel Spaß, dass die Mängel in den Hintergrund rücken. Das Spiel ist zwar sicherlich meilenweit davon entfernt, perfekt zu sein, aber Fans von (Offline)-Koop-Spielen werden aktuell nicht wirklich zufriedenstellend bedient, so ist „Lara Croft and the Guardian of Light“ ein kleiner Lichtblick, der für (relativ) wenig Geld viele spaßige Stunden bereitet.


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