Another Code: R – A Journey Into Lost Memories


„Der stille Genuss eines guten Mysterys“

Nachdem das Entwicklerstudio Cing im Jahr 2005 mit „Another Code: Two Memories“ für Nintendo DS erstmals auch international auf sich aufmerksam machen konnte, folgte im Jahr 2009 mit „Another Code: R – A Journey Into Lost Memories“ eine Fortsetzung zum gelungenen Adventure – dieses Mal aber für Nintendo Wii. Das Upgrade hat dabei reibungslos geklappt.

 

Die Geschichte spielt zwei Jahre nach dem ersten Teil, so ist Ashley Mizuki Robbins nun 16 Jahre alt. Nachdem sie ihren Vater gefunden hatte, nahm dieser wieder eine Stelle als Erinnerungswissenschaftler an und vernachlässigte seine Tochter abermals. Eines Tages wird Ashley allerdings von ihrem Vater zum Zelten eingeladen. Bei ihrer Ankunft in Juliet Lake wird jedoch ihre Tasche gestohlen und sie wird von Erinnerungen an ihre verstorbene Mutter überwältigt.

 

Das Spiel lebt wieder von seiner Ruhe, so entwickelt sich der Plot äußerst langsam und unspektakulär, steigert sich aber konstant bis zum großen Finale. Geduldige SpielerInnen werden mit einer großartigen Auflösung beglückt, die die Hintergründe um den Tod von Ashleys Mutter durchleuchtet. Daneben gibt es einige Nebenhandlungsstränge wie die Suche des jungen Matthew nach seinem Vater, die ebenfalls dafür sorgen, dass das Interesse stets bestehen bleibt.

SpielerInnen verfolgen die Heldin großteils aus einer Seitenansicht, sobald sie aber die Umgebung zu untersuchen beginnt, sieht man aus ihren Augen und das Spiel mutiert zu einem Point-and-Click-Adventure. So gilt es für Ashley, Juliet Lake zu untersuchen, mit verschiedenen Personen zu sprechen und natürlich wieder Rätsel zu lösen. Die Rätsel sind dabei nicht immer fordernd, präsentieren sich aber sehr abwechslungsreich und schöpfen alle Möglichkeiten der Wii aus. Nach jedem Kapitel müssen die wichtigsten Ereignisse wieder durchgegangen werden, so dass ein paar Fragen auf hoffentlich aufmerksame SpielerInnen warten.

 

Gelungen sind auch die Charaktere, vor allem natürlich die sympathische Protagonistin Ashley, die auf der Suche nach den Erinnerungen an ihre Mutter stets sehr emotional und natürlich wirkt, so dass man sich umso mehr mit ihrem Schicksal auseinandersetzen will. Genauere Einblicke in ihre Gedankenwelt gewährt Ashley durchgehend, auch wenn es nur scheinbar unnütze Kommentare über Kleinigkeiten sind, wirkt sie dadurch einfach authentischer und glaubwürdiger.

 

Die Steuerung funktioniert einwandfrei, so dass nur der WiiMote gebraucht wird, obwohl der Nunchuk einen Kurzauftritt hat, was vollkommen ausreicht. Mit den Pfeiltasten bewegt man sich, alles andere erledigt man durch Zeigen auf den Bildschirm und drücken der Taste A. Für die zahlreichen Rätsel braucht mal allerdings sowohl den Bewegungssensor als auch alle Tasten. Zum Beispiel muss einmal die WiiMote wie ein Reagenzglas gehalten werden, mal wie ein Kaleidoskop gedreht werden und mal eine Tür mit Ashleys TAS – quasi eine In-Game-WiiMote – geknackt werden. Das DAS aus dem Vorgänger feiert auch sein Comeback, nur in verbesserter Form, und wieder werden damit Fotos geschossen, diese untersucht und Nachrichten empfangen.

 

Grafisch kann das Spiel vor allem dank des malerischen Stils der Hintergründe und des schönen Charakterdesigns überzeugen, so dass keine Wünsche offen bleiben. Der sanfte Soundtrack passt ebenfalls ausgezeichnet zum Erzählstil des Spiels, wodurch auch die fehlende Sprachausgabe nicht negativ ausfällt. Das Spiel wird nämlich nur von Texteinblenden vorangetragen, was passend zum ersten Teil erscheint. Zu erwähnen wäre noch, dass das Spiel weitaus länger als noch der Vorgänger ist, denn es fesselt über knapp 15 bis 18 Stunden.

Fazit

„Another Code: R – A Journey Into Lost Memories“ baut trotz des Konsolenwechsels von Nintendo DS auf Nintendo Wii weiterhin auf seine alten Stärken und liefert ein hochinteressantes Adventure ab. Das Spiel ist allerdings sicher nicht jedermanns Sache, denn der gemütliche und äußerst ruhige Erzählstil könnte als langweilig gewertet werden. Wer aber Geduld zu den eigenen Tugenden zählt und Rätsel mag, der wird mit einer sehr starken Geschichte belohnt. Wirkt zudem etwas wie ein Prototyp des Erfolgsformates, mit dem Telltale und Dontnod später Erfolge feiern sollten – somit auch interessant für Fans dieser Adventures.


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