Machinarium


„Rebellion der (putzigen) Maschinen“

Point-and-Click-Adventures hatten vor etwa 30 Jahren ihre Glanzzeiten, gelten seitdem aber eher als massenuntauglich, so dass es großteils an kleineren Indie-Studios liegt, Genrefans zu versorgen. „Machinarium“ etwa, ein Überraschungshit des Jahres 2009, wurde von Amanita Design entwickelt. Das tschechische Entwicklerstudio, welches 2003 gegründet wurde, hatte sich schon vor dem preisgekrönten Roboterabenteuer einen Namen in der Branche gemacht – mit den Browser Games „Samorost“ und „Samorost 2“.

 

In einer Müllhalde außerhalb der Stadt Machinarium findet sich der Roboter Josef – benannt nach Josef Čapek, der als Erfinder des Wortes Roboter gilt – in seinen Einzelteilen zerlegt wieder. Nachdem er es schafft, sich wieder zusammenzubauen, macht er sich auf den Weg zurück in die Stadt. Dort angekommen macht er sich gleich auf die Suche nach seiner Freundin, wird aber auch in die Verschwörung einer mysteriösen Bruderschaft hineingezogen. Josef beschließt der Bruderschaft, mit der er auch schon seine Probleme hatte, einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Das Abenteuer von Josef präsentiert sich dabei zum einen als klassisches Point-and-Click-Adventure, zum anderen haben sich die MacherInnen aber auch einiges einfallen lassen, um das Spiel von der Konkurrenz abzuheben. Josef kann etwa nur Gegenstände aufheben oder mit ihnen interagieren, wenn sie in seiner Reichweite sind. Es reicht nicht, wie in so manchen Genrevertretern, einfach mit der Maus durch den Bildschirm zu fliegen und auf alles zu klicken, bis etwas passiert, denn die Figur muss in die richtige Position gebracht werden, damit sie die erwünschte Tätigkeit ausführt.

 

Darüber hinaus warten nicht nur Rätsel, die sehr fair gehalten sind und erprobte SpielerInnen vielleicht sogar etwas unterfordern, sondern auch eine Menge Minispiele, die den Schwierigkeitsgrad des Spiels ordentlich in die Höhe schrauben. Diese präsentieren sich abwechslungsreich – es gibt etwa eine „Fünf gewinnt“-Partie, einen „Space Invaders“-Klon und einige Puzzle mit Kopfzerbrecher-Potenzial – und können die Spielzeit angenehm in die Länge ziehen, denn ansonsten wäre das ohnehin nicht sehr lange Abenteuer etwas zu kurz geraten. Wer bei den Rätseln Hilfe braucht, kann eine im Spiel integrierten Lösung aufrufen, muss dazu aber jedes Mal ein spaßiges Minispiel erfolgreich abschließen.

 

Außergewöhnlich wird das Spiel allerdings nicht aufgrund des Gameplays, sondern aufgrund seiner Präsentation. Die Grafik glänzt aufgrund der handgezeichneten und detailverliebten Bilder, wodurch man sich von den auf den ersten Blick tristen, aber doch vor Leben strotzenden Roboterplaneten verzaubern lässt und in das kleine, aber feine Abenteuer von Josef eintauchen kann. Nicht nur visuell gibt es ein Highlight das nächste, sondern auch musikalisch kann das Spiel überzeugen. Da „Machinarium“ über keinerlei Dialoge verfügt, liegt es neben den Bildern am Soundtrack, der Roboterwelt die Gefühle einzuflüstern, was sehr hörenswert gelingt. Die passend mechanisch klingenden und doch Emotionen verbergenden Melodien ziehen SpielerInnen in ihren Bann und durch die passende Geräuschkulisse erwacht der Roboterplanet zum Leben.

Fazit

Auf audiovisueller Ebene ist „Machinarium“ des tschechischen Entwicklerstudios Amanita Design ein kleines Meisterwerk, so werden Augen und Ohren verwöhnt und erleichtern das Eintauchen in die faszinierende Roboterwelt. Auch spielerisch braucht sich das Spiel keinesfalls zu verstecken, so warten abwechslungsreiche und fordernde Minispiele sowie stets nachvollziehbare und Rätsel, die geübte Genrefans leider etwas unterfordern werden. Nichtsdestotrotz sollten alle Point-and-Click-Adventure-Fans einen Blick auf das Spiel werfen, denn in der heutigen Zeit, in der das Genre ein Randdasein fristet und kaum Highlights auf den Markt kommen, sollte man sich eine Perle wie „Machinarium“ nicht entgehen lassen.


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