InFamous 2


„Electro auf den Spuren der X-Men“

Entwickler Sucker Punch Productions gelang 2009 nach der erfolgreichen Trilogie um den diebischen Sly Cooper und anschließender Funkstille für knapp drei Jahren mit „InFamous“ ein Überraschungshit. Das Superhelden-Game konnte dabei SpielerInnen sowie KritikerInnen überzeugen und machte mit dem äußerst gelungenen und offenen Ende Lust auf die Fortsetzung. Das Licht der Welt erblickte „InFamous 2“ schlussendlich 2011 – kann das Studio nach der Einführung den Elektro-Superhelden auch weiterentwickeln?

 

Nach den Ereignissen aus dem ersten Teil muss sich Cole MacGrath auf das Aufeinandertreffen mit der Bestie vorbereiten, die eine Gefahr für die gesamte Menschheit darstellt. Die Bestie erscheint aber vorzeitig in Empire City, besiegt Cole und zerstört die gesamte Stadt. Cole kann allerdings zusammen mit seinem Freund Zeke und der NSA-Agentin Lucy Kuo nach New Marais fliehen. Dort soll Cole mit der Hilfe des Wissenschaftlers Dr. Sebastian Wolfe stärker werden, die Stadt hat aber gerade auch mit Problemen zu kämpfen: Zum einen dezimiert eine Seuche die Bevölkerung, zum anderen ist mit Joseph Bertrand III. ein Purist an der Macht, der sämtliche Conduits – Menschen mit Spezialfähigkeiten – auslöschen will und Cole zum Dämon von Empire City deklariert hat. Zusätzlich ist die Bestie ebenfalls auf dem Weg nach New Marais …

Der Handlungsüberblick lässt bereits erkennen, dass sich das Studio hinter „InFamous 2“ von anderen Comics hat inspirieren lassen. Der stark im Mittelpunkt stehende Konflikt, ob die Conduits nun die nächste Stufe der Evolution oder eine Laune der Natur sind, die es auszulöschen gilt, erinnert sehr stark an die „X-Men“, während die Bestie als gottgleiche Erscheinung gewisse Ähnlichkeiten mit Doctor Manhattan aus „Watchmen“ vorzuweisen hat. Diese bekannten Vorlagen gepaart mit zahlreichen eigenen Ideen ergeben in ihrer Gesamtheit ein rundes und vor allem eigenständig wirkendes Gesamtpaket. Den EntwicklerInnen gehört auch das Lob ausgesprochen, dass sie es verstehen, mit Wendungen und Überraschungen stets für neue Impulse im Handlungsverlauf zu sorgen. Ein gigantischer Kracher, wie das Finale des Vorgängers, ist allerdings nicht dabei, dafür agieren die Charaktere vereinzelt nicht ganz nachvollziehbar. Wirklich schön ist hingegen, dass SpielerInnen nun mit Entscheidungen mehr Einfluss auf die Geschichte nehmen kann.

 

Ob es SpielerInnen eher zur guten oder bösen Seite zieht, hat in Teil zwei auch stärkere Auswirkungen auf das Gameplay. Wie im Vorgänger gibt es von Coles elektrischen Kräften gute und böse Ausprägungen, allerdings kommt nun eine zweite Art von Superkraft ins Spiel, die den Kämpfen noch mehr Tiefe verleiht. Entscheidet man sich für die gute Seite, stehen Cole Eisfähigkeiten zur Verfügung, auf der Seite der Bösen hingegen bekommt Cole Öl- und Feuerfähigkeiten. Ebenfalls überarbeitet wurde das Nahkampfsystem, wodurch sich das Kampfgeschehen aufgrund eines dynamischeren Wechselspiels zwischen Nah- und Fernkampf fließender anfühlt. Ansonsten hat sich beim Gameplay kaum etwas getan, so bewegt man sich weiterhin frei in Open-World-Manier durch die Stadt, sammelt Sammelbares, bekämpft Bösewichte und erledigt Neben- und Hauptmissionen.

 

In Sachen Spielzeit pendelt sich „InFamous 2“ im Schnitt wohl bei knapp zwölf Stunden ein, was zirka der Spielzeit des Vorgängers entspricht, wäre da nicht der umfangreiche Level-Editor, mit dem Missionen gestaltet, Online gestellt und als Nebenmissionen in New Marais gespielt werden können – natürlich nur, als das Spiel noch in aller Munde war. Bei der Präsentation hat man großteils auf Bewährtes zurückgegriffen, dem Ganzen aber auch eine frische Note verpasst, was großteils gut ankommt, etwa bei den dynamischeren Comic-Zwischensequenzen. Auf jeden Fall eine gute Wahl war die Stadt New Marais, die quasi New Orleans ist, als neue Location, da sie einen guten Kontrast zu Empire City bzw. New York darstellt.

Fazit

„InFamous 2“ kann als klassische Fortsetzung bezeichnet werden, so setzt das Spiel klarerweise auf die Tugenden des Vorgängers und bietet außerdem mehr Umfang, neue Fähigkeiten, kleinere Verbesserungen, unverbrauchte Gegner sowie Orte und einen Plot, der die Handlung des Vorgängers nahtlos fortsetzt und zu einem würdigen Ende bringt. Kurz und bündig: Wer „InFamous“ mochte, wird auch mit „InFamous 2“ Spaß haben.


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