Mega Man X2


„Mavericks am Nordpol“

„Mega Man X“ hatte 1993 – in Japan, in Europa und Amerika erst 1994 – endlich frischen Wind in das Franchise gebracht, welches nach sechs Teilen der Hauptreihe langsam aber sicher unter den Alterserscheinungen zu leiden begann. So erfrischend „Mega Man X“ auch war, musste befürchtet werden, dass Capcom schon bald eine weniger inspirierte Fortsetzung nachreichen würde. Schon 1994 bzw. 1995 in Europa war es so weit und „Mega Man X2“ für SNES erblickte das Licht der Welt.

 

Der Plot von „Mega Man X2“ spielt dabei etwa sechs Monate nach den Triumph über Sigma, der die Rebellion der Mavericks aber keinesfalls stoppte. X ist nun zum Anführer der Maverick Hunters geworden und bekommt es alsbald mit neuen Feinden zu tun, den X-Hunters Serges, Agile und Violen. Diese hetzen nicht nur Mavericks auf X, sondern haben auch den Nordpol besetzt und die Überreste des gefallenen Zero gefunden, wodurch sie in der Lage sind, eine gefährliche Waffe zu konstruieren. Nun liegt es an X, die Welt wieder vor den Mavericks zu beschützen.

Am Spielprinzip hat sich selbstverständlich nichts geändert, so wird man im Side-Scrolling-Action-Platformer direkt ins Geschehen geworfen, um ein erstes Level zu meistern. Danach stehen acht Levels samt Bosse zur Auswahl, die allesamt bewältigt werden müssen, um an neue Waffen zu kommen. In diesem Fall ist es noch wichtiger als im Vorgänger, gegen die Bosse taktisch vorzugehen und stets die richtige Waffe einzusetzen, denn im späteren Verlauf müssen alle Bosse noch einmal nacheinander besiegt werden, was extrem schwer wird, wenn man ihre Schwachstellen nicht kennt. Allgemein ist der Schwierigkeitsgrad hoch, was aber beim Franchise fast schon zum guten Ton gehört. Wie gehabt ist das Spiel nach den acht Levels noch lange nicht vorbei, so warten auf X noch einige Herausforderungen, bevor es zum finalen Showdown geht.

 

Das Spiel orientiert sich dabei stark am Vorgänger, so dass kaum Neuerungen zu bewundern sind. Wer etwa erwartet, mit dem Gefährt aus dem Cover ein paar Runden drehen zu können, wird schwer enttäuscht sein, denn der Spaß damit ist nach nur wenigen Minuten wieder vorbei. Lediglich die neuen Upgrades können als erwähnenswerte Neuheit gewertet werden, so kann X damit etwa einen Dash in der Luft durchführen oder es werden ihm versteckte Passagen angezeigt. Auch das geheime Upgrade wurde geändert, so musste der Hadouken Platz machen für den Shoryuken – beide bekannt aus dem „Street Fighter“-Franchise. Ansonsten ist „Mega Man X2“ im Großen und Ganzen wie der Vorgänger, so dass es sich dadurch auch den Vergleich gefallen lassen muss, wo es hier und da auch den Kürzeren zieht, etwa bei den Waffen, die X von den Bossen bekommt.

 

Grafisch hat sich verständlicherweise in dem einen Jahr zwischen beiden Teilen kaum etwas getan, lediglich einen Cx4-Chip bekam das Modul spendiert, mit dem ein paar 3D-Grafiken ins Spiel integriert werden konnten. Diese wirken auf dem ersten Blick etwas deplatziert, wurden aber sparsam eingesetzt, etwa bei ein paar Bosskämpfe, und sorgen so zumindest für einen kleinen Aha-Effekt. Im Vergleich zum Vorgänger kann der Soundtrack von „Mega Man X2“ nicht ganz mithalten, bietet aber nichtsdestotrotz alles in allem eine hörenswerte und mitreißende Soundkulisse und vereinzelte Perlen wie das Stück „Wheel Gator Stage“.

Fazit

„Mega Man X2“ macht so ziemlich alles wie der Vorgänger und muss sich daher auch dem direkten Vergleich stellen. Dabei kann das Spiel den Vorgänger in keinem Aspekt hinter sich lassen und zieht in manchen Bereichen – Waffen, Soundtrack – sogar den Kürzeren. Nichtsdestotrotz macht das Spiel Spaß und bietet fordernde Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Minute. Wer also den Vorgänger mochte, wird auch mit „Mega Man X2“ seine Freude haben.


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