Assassin's Creed: Revelations


„Taken: Uncharted in Constantinople“

Nachdem die Abenteuer des beliebten Ezio Auditore da Firenze aus „Assassin’s Creed II“ mit „Brotherhood“ fortgesetzt wurden, war die Fangemeinschaft auf den nächsten Hauptteil der Saga gespannt. Da das Jahr 2012 in der Reihe eine zentrale Rolle spielt, wurde „Assassin’s Creed III“ aber eben im Weltuntergangsjahr veröffentlicht. Da Ubisoft aber keinesfalls ein Jahr ohne die Einnahmen des Zugpferdes bleiben und die Zeit nutzen möchte, bevor die Reihe 2012 (vermeintlich) zu Ende geht, liefert der französische Entwickler mit „Assassin’s Creed: Revelations“ einen weiteren Zwischentitel ab.

 

Nach den Ereignissen aus „Assassin’s Creed: Brotherhood“ befindet sich Desmond in einem komatösen Zustand und sein Geist droht zu kollabieren, da er die Erinnerungen seiner Ahnen Altair und Ezio nicht mehr unter Kontrolle hat. Um wieder zu sich kommen zu können, muss Desmond im Animus das letzte große Geheimnis seiner Ahnen entschlüsseln und die entscheidende Verbindung zwischen Altair und Ezio herausfinden. Die Reise führt Altair zurück nach Masyaf, wo alles begann, während Ezio in Konstantinopel den Templern dicht auf den Fersen ist. Desmond muss sich aber nicht nur um die Vergangenheit kümmern, sondern auch mit sich selbst ins Reine kommen.

 

Während sich „Brotherhood“ so anfühlte, als wollte man Ezio unbedingt einen weiteren Auftritt spendieren, erweckt der Plot von „Revelations“ den Eindruck, dass man etwas Ballast abbauen wollte, mit dem man sich nicht im dritten Teil beschäftigen wollte. Bis zum Vorgänger bestand einer der großen Reize der Reihe darin, dass die teils als VerschwörungstheoretikerInnen agierenden SpielerInnen immer wieder mit kleinen Häppchen gefüttert wurden. Nun ist aber der Zeitpunkt gekommen, an dem die Reihe ihrer Auflösung entgegen schreitet und sie sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren muss.

Dieses Einbiegen in die Zielgerade hätte aber durchaus gelungener ausfallen können. Altair hat man zum Abschluss seiner Geschichte etwa lediglich kleinere Kapitel spendiert, die für die Assassinen entscheidende Augenblicke aus seinem Leben zeigen, in denen er aber ziemlich blass bleibt. Ezio darf sich in einer neuen Location austoben, große Überraschungen bietet sein Abenteuer in Konstantinopel aber auch nicht. Auch um die Vergangenheit von Desmond kümmert sich „Revelations“, wenn auch ziemlich uninspiriert, und einige Handlungsstränge, wie das Geheimnis um Subjekt 16, finden zu abrupt ihr Ende. Alles in allem ist der Plot also nicht die Stärke des Spiels, auch wenn das Geschehen schlussendlich doch zufriedenstellend auf das Finale der Trilogie zugespitzt wird. Die titelgebenden Enthüllungen halten sich übrigens sehr stark in Grenze – Erwartungen also eher nach unten kalibrieren.

 

Spielerisch und von der Präsentation her baut man hingegen auf alte Tugenden und liefert ein gutes Gesamtpaket ab, welches Fans der Reihe überzeugen wird. Konstantinopel ist als neue Location eine gute Wahl und bringt frischen Wind ins Geschehen, ebenso wie gezielte Neuerungen und Verbesserungen, die aber auch nicht immer ins Schwarze treffen. Während etwa das Bombensystem, bei dem mit verschiedenen Zutaten Bomben zur Ablenkung oder zur Tötung gebaut werden können, eine neue taktische Komponente ins Spiel bringt und Ezios neuer Haken seine Bewegungsmöglichkeiten trotz hohen Alters erhöht, konnte mich die Tower Defense-Variante zur Verteidigung der Stützpunkte weniger überzeugen, da sie nicht ganz ins Geschehen passen will und etwas unausgewogen ist. Ganz nett ist hingegen die etwas von „Portal“ inspirierten First-Person-Puzzle-Abschnitte um Desmonds Vergangenheit, die eine willkommene Abwechslung zu Ezios Treiben in Konstantinopel bieten, wo es neben den Hauptmissionen wieder eine Menge zu erledigen gibt.

Fazit

„Assassin’s Creed: Revelations“ ist nach „Assassin’s Creed: Brotherhood“ das zweite Zwischenspiel der Reihe in Folge und es stellt sich die Frage, ob die Enthüllungen es wert waren, in ein eigenes Spiel verpackt zu werden – ein etwas umfangreicherer DLC hätte es nämlich wohl auch getan. Während der Plot im Vergleich zu anderen Teilen eher weniger begeistert, präsentiert sich „Revelations“ spielerisch unterhaltsam wie eh und je und auch die Neuerungen sowie Konstantinopel als Location überzeugen. Auch der Multiplayer-Modus hat es wieder ins Spiel geschafft – in deutlich ausgebauter Form. Trotzdem sollte man sich vielleicht wieder mehr auf die Singleplayer-Kampagne konzentrieren mein Lieblingsteil der Reihe, „Assassin’s Creed II“, kam schließlich auch ohne Multiplayer-Modus prächtig zurecht.


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