Uncharted: Golden Abyss


„Nathan Drake und die Rückkehr in den Dschungel“

Die letzte Handheldengeneration hatte ihren Startschuss mit der Veröffentlichung des Nintendo 3DS, Erfolgsgaranten wie Mario oder Link schafften es aber nicht zum Release, was sicherlich auch für die zu Beginn eher mäßigen Verkaufszahlen mitverantwortlich war. Sony zog mit der PS Vita nach und schickte gleich zum Start mit „Uncharted: Golden Abyss“ ein ganz heißes Eisen ins Rennen. Mit Nathan Drake, quasi das aktuelle Maskottchen des japanischen Unterhaltungsgiganten, sollte gleich ein Hit die Verkaufszahlen der PS Vita beflügeln. Bleibt nur die Frage, ob das Spiel aus dem Hause Bend Studio („Syphon Filter“, „Resistance: Retribution“) das hält, was der große Name verspricht.

 

Einige Zeit vor den Ereignissen aus „Uncharted: Drake’s Fortune“ befindet sich der Abenteurer Nathan Drake zusammen mit seinem Partner Jason Dante in Mittelamerika auf Schatzsuche. Zum Duo gesellt sich noch Marisa Chase, die die Forschung ihres verschwundenen Großvaters fortsetzt, um diesen zu finden. Das Geheimnis um ein vor über 400 Jahren stattgefundenes Massaker an eine spanische Expedition rückt aber schnell in den Hintergrund, denn Drake und Co. sind in das Reich von General Guerro eingedrungen, der gerade eine Revolution vorbereitet und mit ungeladenen Gästen kurzen Prozess macht.

Dem Spiel merkt man sofort an, dass das Bend Studio unter der Aufsicht von Naughty Dog, dem Entwickler der Hauptreihe, arbeitete, so überzeugt auch „Uncharted: Golden Abyss“ mit allen Tugenden, die die Reihe so berühmt und erfolgreich gemacht haben. Allerdings besinnt man sich auch auf die Wurzeln und orientiert sich mehr an „Uncharted: Drake’s Fortune“, wodurch das erste Handheldabenteuer im Vergleich zu den Fortsetzungen der Hauptreihe im kleineren Rahmen spielt und alles in allem auch unspektakulärer unterhält als davor etwa „Uncharted: Drake’s Deception“, was aber keinesfalls schlecht sein muss. Das Spiel bietet nämlich trotzdem alles, was ein gutes Abenteuer bzw. ein gutes „Uncharted“ braucht: Mitreißende Action, eine filmreife Inszenierung, sympathische Charaktere und unterhaltsame Dialoge.

 

Spielerisch geht es wie eh und je darum, Schießereien und Schlägereien zu überstehen, Geschicklichkeitspassagen zu meistern, Rätsel zu lösen und Schätze zu finden. Der Übergang zwischen diesen Abschnitten gelingt dabei sehr fließend, so wird das Geschehen zu keinem Zeitpunkt eintönig und das in 34 Kapitel unterteilte, knapp zehn Stunden dauernde Spiel bleibt von der ersten bis zur letzten Sekunde unterhaltsam. Unterstützt wird das Spiel von einer herausragenden grafischen Präsentation, die zeigt, was alles in der PS Vita steckt. Im Großen und Ganzen braucht sich das Spiel vor seinen großen Vorgängern nicht zu verstecken, so sieht der Dschungel kaum weniger beeindruckend aus als etwa in „Uncharted: Drake’s Fortune“ und auch kleinere Details wie Licht- oder Wassereffekte werten das Ganze auf. Nur selten ist mal ein grafischer Aussetzer auszumachen, so sieht zum Beispiel Feuer überraschend verpixelt aus und kleinere Bugs finden sich hier und da, der Gesamteindruck leidet aber kaum darunter. Dazu gibt es noch einen klassisch-hörenswerten „Uncharted“-Soundtrack und eine gelungene Sprachausgabe.

 

Neben einer Demonstration des technischen Potenzials der PS Vita sollte „Uncharted: Golden Abyss“ wohl auch zeigen, was alles an Steuerungsmöglichkeiten in dem Gerät stecken. Genau an dieser Stelle kassiert das Spiel großteils seine wenigen Minuspunkte, denn das Ganze ist nämlich teilweise einfach zu überladen. Die Wischerei über den Touchscreen wird eindeutig überstrapaziert – egal ob bei Rätseln oder in brenzligen Situationen – und bringt großteils, außer ein unhandliches Umgreifen, wenig. Auch nicht ganz durchdacht ist der Einsatz des Touchpads auf der Rückseite der PS Vita, so kommt man dort viel zu leicht an und verstellt schon mal unabsichtlich etwa den Zoom beim Scharfschützengewehr. Ein Besinnung auf die klassische Steuerung (Knöpfe und Sticks) wäre wünschenswert gewesen, einige Spielereien machen aber doch Spaß.

Fazit

Persönlich kann ich mir ein „Uncharted“ für unterwegs kaum besser vorstellen als es „Uncharted: Golden Abyss“ für die PS Vita ist. Die Tugenden der Reihe kommen auch im Spiel aus dem Hause Bend Studio hervorragend zur Geltung. Dass man den Trend, jedes Spiel noch bombastischer zu inszenieren als im Vorgänger, einfach ignoriert und sich stattdessen an „Uncharted: Drake’s Fortune“ orientiert hat, schadet dem Spiel keinesfalls. Statt sich auf vereinzelte Höhepunkte zu verlassen, was teilweise in „Uncharted: Drake’s Deception“ der Fall war, setzen die Entwickler lieber auf ein rundes Abenteuer, das von der ersten bis zur letzten Sekunde zu überzeugen weiß. Die Mängel, falls man überhaupt von solchen sprechen kann, sind minimal, so ist „Uncharted: Golden Abyss“ alles in allem der erste Pflichttitel für die PS Vita.


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