Mega Man X


„Xtreme Mega, Man!“

„Mega Man“ für NES wurde 1987 ein Riesenerfolg, so dass das Entwicklerstudio Capcom („Resident Evil“, „Street Fighter“) SpielerInnen fast jährlich mit einem neuen Teil der Reihe beglückte. Spätestens nach „Mega Man 3“ begann das Franchise allerdings, Staub anzusetzen – vor allem aufgrund fehlender Innovationen. Frischen Wind brachte erst der Entschluss, mit der Zeit zu gehen und ein „Mega Man“-Spiel für die neue Generation zu entwickeln. Während also 1993 noch „Mega Man 6“ für NES erschien, sollte kurze Zeit später endlich auch die SNES bedient werden: Nicht mit „Mega Man 7“, sondern mit „Mega Man X“. Die zweite Reihe des Franchises war geboren.

 

Die Ereignisse von „Mega Man X“ spielen dabei etwa ein Jahrhundert nach „Mega Man“. Im Jahr 21XX findet der Archäologe Dr. Cain zufälligerweise die verschollene Zentrale des legendären Roboterdesigners Dr. Thomas Light und eine seiner Erfindungen, Mega Man X – ein menschenähnlicher Roboter mit eigenem Willen und Emotionen. Mit den gewonnenen Erkenntnissen und mit der Hilfe von X selbst erschafft Dr. Cain einen Reploid: Einen Roboter, der denken, fühlen, lernen und sich entwickeln kann. Bald darauf gehen die Reploids in die Massenproduktion, was alsbald einen verheerenden Krieg zur Folge hat. Mit einem freien Willens ausgestattet, wählten zahlreiche Roboter den Pfad des Bösen und wurden als Mavericks bekannt, gegen die die Maverick Hunters, eine Eliteeinheit unter der Leitung des Roboters Sigma, vorgehen sollte. Als Sigma allerdings aus heiterem Himmel gegen die Menschheit rebelliert und sich zahlreiche Roboter der Maverick Hunters ihm anschließen, liegt es nun an X selbst und dem mysteriösen Zero, den Untergang der menschlichen Rasse abzuwenden.

SpielerInnen werden dabei sofort ins Geschehen geworfen und ZeugInnen einer auffälligen Unterscheidung im Vergleich zur „Mega Man“-Reihe. In „Mega Man X“ versuchen die Macher nämlich, mit Hilfe von Dialogen und Zwischensequenzen, die Story etwas mehr in den Vordergrund zu rücken. Diese präsentiert sich zwar nicht wirklich komplex, gibt aber zumindest genügend Informationen, um zu wissen, warum X in den Kampf zieht. Darüber hinaus wurden gekonnt neue Figuren wie der mysteriöse Zero oder Erzfeind Sigma ins „Mega Man“-Universum eingeführt.

 

Das Spielprinzip des side-scrolling Action-Platformers ist allerdings alles in allem gleich geblieben. Nachdem man ein Einführungslevel beendet hat, stehen acht Welten samt Endgegner – von Tieren inspirierte Mavericks – zur Auswahl. Nach jeder Welt bekommt X eine neue Waffe vom besiegten Boss, was dem Spiel die typische taktische Note verpasst, denn jeder Boss hat eine Schwachstelle und mit dem Einsatz der richtigen Waffe verschafft man sich einen Vorteil. Dabei gilt die Devise: Probieren geht vor studieren, denn nicht alle Schwachstellen sind wirklich logisch. Nach den acht Welten wartet noch eine Handvoll Levels, in denen die besiegten Bosse wieder auftreten und auch neue Endgegner zu besiegen sind, bevor es zum Showdown gegen Sigma kommt. Typisch für das Franchise ist auch wieder hier der relativ hohe Schwierigkeitsgrad. Dank den fair platzierten Speicherpunkten und dem Passwortsystem kommt aber nie wirklich Frust auf, so bleibt das Spiel stets angenehm fordernd und unterhaltsam.

 

Der größte Unterschied zwischen Mega Man X und dem Vorgängermodell aus dem Original zeigt sich in der überlegenen Dynamik und Mobilität von X. X kann nämlich Sprints vollführen und dadurch weite Distanzen schneller zurücklegen, was auch in Kombination mit Sprüngen wunderbar gelingt. Außerdem kann X an Mauern runterrutschen oder an diesen hochspringen sowie in gewissen Situationen einen großen Kampfroboter steuern. X besitzt ebenfalls die Fähigkeit, seine Waffe aufzuladen, um mehr Schaden anzurichten. Neu im Franchise sind die verstecken Upgrades für X, die etwa seine Feuerkraft erhöhen oder seine Lebensanzeige vergrößern. Witzig ist die Tatsache, dass es ein geheimes Upgrade gibt, mit dem X lernt, ein Hadouken auszuführen – die weltbekannte Technik aus „Street Fighter“.

 

Mit dem Sprung des Franchises von der NES zur SNES gelang auch ein enormer Qualitätssprung in Sachen Grafik und Sound. Bei der Grafik strotzen die Figuren und Levels nun im Vergleich zur Originalreihe nur so vor Details, so erfreut man sich nicht nur an dem grandiosen Gameplay, sondern auch an den herrlich abwechslungsreichen und sehenswerten Bildern. Beim Sound war es schon eine schwierigere Aufgabe, die Originalreihe alt aussehen zu lassen, denn die Soundtracks der „Mega Man“-Reihe waren stets voller 8-Bit-Ohrwürmer, die auch heute nicht nur von Nostalgikern geschätzt werden. „Mega Man X“ zaubert aber ebenfalls einen Ohrwurm nach dem anderen aus der SNES, so bietet der Soundtrack vor allem flotte und mitreißende Melodien, was etwa zwei meiner vielen Lieblingssongs imposant demonstrieren: Zum einen der vor Ohrwurmpotenzial strotzende und unglaublich mitreißende „Spark Mandrill“ und zum anderen der fast schon an Speed Metal erinnernde „Sigma Battle“, der den Bosskampf zu einem wahren Erlebnis werden lässt. Der Soundtrack kann aber auch gekonnt passend zu den Bildern Abwechslung reinbringen und etwa emotional („Dr. Light“), heiter („Password Screen“) oder episch („Boss Intro“) klingen.

Fazit

„Mega Man X“ brachte 1993 – in Amerika und Europa erst 1994 – frischen Wind in das etwas angestaubte Franchise und war der Beginn einer neuen Reihe, die sogar der Originalreihe den Rang ablaufen konnte. Das Erfolgsrezept erscheint dabei äußert einfach zu sein: Die Macher hielten am erfolgreichen und altbewährten Spielprinzip fest, führten einen neuen Mega Man samt seiner Fähigkeiten und neuem Plot ein und nutzen die Vorteile der SNES im Vergleich zur NES bei der Umsetzung. „Mega Man X“ gehört zu den Klassikern auf der SNES und sollte für alle VideospielerInnen Pflichtprogramm sein.


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