Assassin’s Creed: Brotherhood


„When in Rome“

Nur ein Jahr nach „Assassin’s Creed II“, wodurch das Franchise seinen Vorschusslorbeeren erstmals gerecht werden konnte, stand bereits die Fortsetzung „Assassin’s Creed: Brotherhood“ in den Startlöchern. Auf ein neues Setting sollte die Spielerschaft noch etwas länger warten müssen, denn „Assassin’s Creed: Brotherhood“ kann nämlich als Assassin’s Creed 2.5 verstanden werden und beschert Ezio Auditore da Firenze das von vielen Fans erhoffte Comeback.

 

„Assassin’s Creed: Brotherhood“ beginnt sowohl für Desmond als auch für Ezio dort, wo „Assassin’s Creed II” aufgehört hat. Auf der Flucht vor Abstergo Industries landen die Assassinen Desmond, Lucy, Rebecca und Shaun in Monteriggioni. Desmond taucht dort via Animus gleich wieder in das Leben seines Vorfahren Ezio ein, denn die Assassinen sind weiterhin auf der Suche nach dem Apfel von Eden. 1499 verlässt Ezio nach dem Treffen mit Minerva Rom, um bald darauf Bekanntschaft mit Cesare Borgia zu machen, der Monteriggioni angreift und den Assassinen eine empfindliche Niederlage zufügt – das Comeback folgt in Rom.

 

Während sich die Handlung im Vorgänger über mehrere Jahrzehnte erstreckte, ist der Plot von „Assassin’s Creed: Brotherhood“ mehr als eine Zugabe zu verstehen. Dementsprechend kürzer und auch weniger fesselnd fällt der Haupthandlungsstrang aus, der aber auch zweifelsohne seine Momente hat – etwa der brutale Cliffhanger am Ende. Dafür haben die Figuren der Gegenwart eine größere Rolle, so kann stets der Animus verlassen und mit Desmond Monteriggioni erkundet, kleinere Levels mit den Fähigkeiten von Ezio absolviert oder die Weggefährten Lucy, Rebecca und Shaun besser kennenlernt werden, was den bislang im Hintergrund agierenden Figuren mehr Tiefe verleiht und auch den einen oder anderen humoristischen Höhepunkt zu bieten hat – der etwas klischeebeladene „British Sarcastic Guy“.

Die Missionen des Haupthandlungsstrangs präsentieren sich dabei nicht so abwechslungsreich wie noch beim Vorgänger, wenn man sich allerdings außerhalb dieser Hauptmissionen bewegt, bekommt man doch einiges an Abwechslung geboten. Als Höhepunkt sind die Da Vinci-Missionen zu nennen, in denen die neuesten Erfindungen des Genies aufgespürt, gesteuert und zerstört werden müssen. Aber auch die Suche nach der Rüstung des Romulus oder die Missionen um Love-Interest Christina Vespucci, in denen man etwa nach Florenz oder Venedig zurückkehrt, lockern das Geschehen auf und bringen Abwechslung rein. Wenig spektakulär sind die Kopernikus-Missionen, die sich als ziemlich langweilige „geh von A nach B und mach C“-Quests erweisen.

 

Am Gameplay selbst hat sich kaum etwas verändert. Auffallen tut lediglich, dass das Kampfsystem leicht überarbeitet wurde, so fallen nun Angriffskombinationen leichter, wodurch die Kämpfe etwas flüssiger werden, und aufgehobene Waffen können geworfen werden. Zusätzlich haben die Gegner dazugelernt, so weichen sie besser aus, nutzen ihre Umwelt und sind alles in allem etwas besser ausgerüstet. Auch ein paar neue Waffen haben es ins Spiel geschafft, wie etwa die Armbrust, die zusammen mit der Pistole, die nun eine größere Reichweite hat, die antiken Wurfmesser alt aussehen lässt. Wer noch Zweifel an seinen Fähigkeiten hat oder diese einfach perfektionieren möchte, kann sich im durchaus gelungenen VR-Training à la „Metal Gear Solid“ austoben.

 

Eine Rolle spielt auch die titelgebende Bruderschaft: Beim Wiederaufbau des Assassinen-Ordens in Rom muss Ezio nämlich erst einmal KandidatInnen rekrutieren, die dann als Unterstützung zu einem Kampf gerufen oder auf Missionen geschickt werden können, denn in ganz Europa – von Moskau über Wien bis Lissabon – sind Assassinen sehr gefragt. Für ihre Einsätze bekommen die Rekruten Erfahrungspunkte, die benutzt werden können, um ihre Fähigkeiten oder Ausrüstung zu verbessern, bis sie zu voll ausgebildeten Assassinen werden.

 

Eine etwas andere Art der Bruderschaft wartet im neuen Multiplayer-Modus, bei dem man für Abstergo Industries arbeitet und auf der Seite der Templer in den ewigen Kampf gegen die Assassinen zieht. Bei den vier angebotenen Spielmodi – Wanted, Alliance, Manhunt und Advanced Wanted – steht die Stealth-Komponente noch mehr im Vordergrund als im Hauptspiel, so warten unterhaltsame und spannende Duelle, während man als JägerIn gleichzeitig gejagt wird. Abgerundet wird das gelungene Multiplayer-Paket vom motivierenden Level-System und den abwechslungsreichen Maps. Ein paar Spielmodi mehr und der Multiplayer hätte zum großen Wurf ansetzen können, so bleibt es „nur“ bei guter Unterhaltung für zwischendurch.

 

Grafisch hat sich seit „Assassin’s Creed II“ verständlicherweise kaum etwas getan. Die Stadt Rom, die im Vorgänger lediglich einen sehr kleinen Auftritt hatte, bietet aber auch so eine wunderbare Kulisse. Die Schönheit von etwa Venedig wird zwar nicht erreicht, Rom bietet aber ein riesiges, abwechslungsreiches Areal, das noch dazu renovierungsbedürftig ist. So liegt es in der Hand von Ezio, Rom wieder in altem Glanz erstrahlen zu lassen, indem Geschäfte aufgebaut, Sehenswürdigkeiten gekauft und die Herrschaftssymbole der Borgia zerstört werden. Dazu gesellt sich wieder ein stimmungsvoller und mitreißender Soundtrack von Jesper Kyd („Boderlands“, „Hitman“).

Fazit

Als Gesamtpaket kann „Assassin’s Creed: Brotherhood“ dem Vorgänger nicht das Wasser reichen, wenn man das Spiel aber als Assassin’s Creed 2.5 sieht, kann man sehr zufrieden sein. Der Plot ist bis auf wenige Ausnahmen wenig aufregend, dafür halten die abwechslungsreichen Missionen bei Laune und die größere Rolle von Desmond in der Gegenwart bringt frischen Wind rein. Darüber hinaus präsentiert sich das Spiel technisch auf hohem Niveau und der gelungene Multiplayer entschädigt zumindest teilweise für den relativ kurzen Story-Modus von knapp zehn Stunden ohne Nebenmissionen bzw. rund 20 Stunden mit. „Assassin’s Creed: Brotherhood“ versüßt auf jeden Fall die Wartezeit bis „Assassin’s Creed III“ … oder gibt es davor etwa noch eine zweite Zugabe?


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