Monkey Island 2: LeChuck’s Revenge


„Pirates of the Caribbean“

„The Secret of Monkey Island“ eroberte 1990 vor allem dank seines skurrilen Humors, seiner gelungenen Rätsel und seiner liebenswerten Charaktere im Sturm die Herzen von Point-and-Click-Adventure-LiebhaberInnen, die im Jahr darauf erneut von LucasArts beschenkt wurden, denn „Monkey Island 2: LeChuck’s Revenge“ folgte. Verantwortlich für den für viele besten Teil der gesamten Reihe war in erster Linie wieder das Erfolgstrio bestehend aus Ron Gilbert („Maniac Mansion“), Tim Schafer („Grim Fandango“) und Dave Grossman („Day of the Tentacle“).

 

Das Abenteuer von Guybrush „Mighty Pirate“ Threepwood beginnt dabei auf Scabb Island, wo er auf der Suche nach dem wertvollsten aller Piratenschätze, dem Big Whoop, gelandet ist. Allerdings kann er die Insel aufgrund von Largos Embargo nicht verlassen. Zwar gelingt es Guybrush, Largo zu überlisten, allerdings macht er den Fehler, ihm den Bart des besiegten LeChuck zu zeigen. Largo war nämlich ein Handlanger von LeChuck, reißt den Bart an sich und will den bösartigen Piraten wieder zum Leben erwecken. Guybrush wendet sich an die Voodoo Lady, um der Rache von LeChuck zu entkommen, die ihm sagt, dass der Big Whoop der Schlüssel zur Freiheit ist. Nun liegt es an Guybrush, denn verschollenen und sagenumwobenen Schatz zu finden – und zwar schnell.

Wer glaubt, dass „Monkey Island 2: LeChuck’s Revenge“ nur ein Schnellschuss aufgrund des Erfolges des Vorgängers war, wird schnell eines Besseren belehrt, denn was die Kreativköpfe Gilbert, Schafer und Grossman in nur einem Jahr auf die Beine gestellt haben, ist wirklich bemerkenswert. Das Spiel präsentiert sich voll von frischen Ideen und Einfällen, so wartet wieder ein gleichermaßen skurriles wie faszinierendes Abenteuer darauf, entdeckt zu werden. Das Herzstück des Spiels bildet dabei wieder der herrliche Humor, der dafür sorgt, dass stets ein dickes Grinsen das Gesicht der SpielerInnen schmückt.

 

Die Palette an Gags ist dabei breit gefächert und reicht von herrlich-absurden Einfällen, die vor allem in den Dialogen grandios zur Geltung kommen – „If a tree falls in the forest, and no one is around to hear it, what color is the tree“ oder „I’m on a whole new adventure; Growing a mustache?; No, bigger than that; A beard?“ – über Running-Gags – „I must have left it in my other pair of pants“ oder „I’m selling this fine leather jackets“ – und Referenzen auf den Vorgänger – etwa die zahlreichen wiederkehrenden Charaktere wie Stan, Herman Toothrot oder die Men of Low Moral Fiber, die allesamt herrliche Auftritte haben – bis hin zu Anspielungen auf Filme wie „Terminator“, Bücher wie „Breakfast at Tiffany‘s“ oder Videospiele wie „Sam & Max“ und Zeitgeist-Verweise ohne Ende. Getragen wird der Humor von den wieder einmal herrlich-abgedrehten Charakteren rund um Guybrush Threepwood, der einen kleinen Wandel durchgemacht hat, aber eigentlich der liebenswerte Möchtegern-Pirat aus dem Vorgänger geblieben ist.

 

Seinen Kultstatus hat sich das Spiel aber nicht nur aufgrund des Humors verdient, sondern auch aufgrund seiner gelungenen Rätsel. Diese präsentieren sich kniffliger als noch im Vorgänger, so dass auch erfahrene SpielerInnen angenehm gefordert werden. Genre-Unerfahrene könnten aber durchaus überfordert werden, vor allem im Kapitel „Four Map Pieces“, während die Kapitel „The Largo Embargo“, „LeChuck’s Fortress“ und „Dinky Island“ übersichtlicher und daher auch leichter zu meistern sind, weshalb auch das Spiel in der „Monkey 2 Lite“-Version gespielt werden kann, die sich weitaus einfacher präsentiert. Neben AnfängerInnen wollten die Macher damit augenzwinkernd auch eine andere Zielgruppe ansprechen, wie der Rückseite der Verpackung zu entnehmen ist: „Optional easy mode for beginners and magazine reviewers“.

 

Das größte Rätsel wirft allerdings das Ende des Spiels auf, welches etwas abrupt daherkommt, das Spiel allerdings mit einem großen Knall ausklingen lässt. Das Finale lässt nämlich viel Raum für Interpretationen offen, so kann es nicht nur je nach Betrachtungsweise gleichermaßen als Ende und als Cliffhanger gesehen werden, sondern lässt auch nach dem Spiel darüber rätseln, was nun tatsächlich passiert ist. Dabei gibt es eine Vielzahl an Theorien – von einem einfachen Gag bis hin zu einem Plot-Twist, der die gesamte Reihe in einem neuen Licht erscheinen lässt. Scheinbar war es auch von den Machern so beabsichtigt, denn für jede Theorie finden sich in den Spielen genügend Anhaltspunkte. Was mit dem Ende nun tatsächlich bezweckt wurde, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben, denn nach „Monkey Island 2: LeChuck’s Revenge“ widmeten sich Gilbert, Schafer und Grossman anderen Projekten und das Franchise wanderte zu einem anderen Entwicklerteam, so liegt es an den SpielerInnen, das Ende nach eigenem Empfinden zu interpretieren oder sich mit der durchaus nachvollziehbaren, aber etwas plumpen Erklärung aus „The Curse of Monkey Island“ zufrieden zu geben.

 

Dass sich grafisch in nur einem Jahr so viel getan hat, ist ebenfalls äußerst bemerkenswert, so strotzen die Bilder in „Monkey Island 2: LeChuck’s Revenge“ nur so vor Details und es gibt immer wieder aufs Neue etwas zu entdecken. Wer glaubt, damit wäre die SCUMM Engine an ihre Grenzen gestoßen, sollte eines Besseren belehrt werden, denn die Engine sollte bis 1997 verwendet werden. Auch beim Soundtrack konnte man im Vergleich zum Vorgänger zulegen, dafür sorgte in erster Linie die iMUSE Engine, die die Musik mit den Geschehnissen auf dem Bildschirm zu synchronisieren weiß. Darüber hinaus bietet der Soundtrack einige Perlen, wie etwa denn „Bones Song“ („The rib bone’s connected to the arm bone …“), der wahrlich Ohrwurmqualitäten besitzt.

Fazit

„Monkey Island 2: LeChuck’s Revenge“ zählt, wie auch schon der Vorgänger, zu den besten Point-and-Click-Adventures aller Zeiten und gilt für viele als das beste Spiel der Reihe, was aufgrund des grandiosen Humors, der unterhaltsamen und fordernden Rätsel und der schrägen Charaktere nachvollziehbar ist. Darüber hinaus präsentiert sich das Spiel auch technisch auf hohem Niveau, so strotzen die Bilder nur so vor Details und der Soundtrack erlaubt es, in diese skurrile und faszinierende Karibik-Welt einzutauchen. Pflichtprogramm für Genre-Fans mit einem ausgeprägten Sinn für Humor.


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