Assassin's Creed II


„Requiescat in Pace“

„Assassin’s Creed“ aus dem Hause Ubisoft Montreal („Splinter Cell“, „Prince of Persia: The Sands of Time“) sorgte 2007 für Furore und konnte mit einer frischen Idee und einem gelungenen Gameplay einige „Game of the Year“-Titel abstauben. Trotzdem war Ubisoft bewusst, dass mit der Fortsetzung eine gehörige Steigerung nötig werden würde, denn trotz seiner Tugenden war „Assassin’s Creed“ extrem repetitiv. Ob Ubisoft aus seinen Fehlern gelernt hat, konnte die Gamer‘s Creed ab 2009 in Erfahrung bringen, als „Assassin’s Creed II“ veröffentlicht wurde.

 

Die Handlung folgt wieder Desmond Miles, der weiterhin eine zentrale Rolle in der jahrhundertealten Auseinandersetzung zwischen Templern und Assassinen spielt. Nach dem Ende von Teil eins konnte Desmond aus dem Abstergo-Gebäude fliehen und in ein Versteck der Assassinen Unterschlupf finden. Dort muss er wieder mit der Hilfe des Animus in das Leben eines Vorfahren eintauchen: Ezio Auditore da Firenze, der im späten 15. Jahrhundert während der Renaissance in Italien gelebt hat. Der Grund ist, dass Ezios Leben Aufschluss über die mysteriösen und begehrten Artefakte von Eden geben könnte.

Das zentrale Anliegen von Ubisoft war es, einen flüssigeren Verlauf der Handlung zu gewährleisten und mehr Abwechslung ins Spiel zu bringen. Um es bereits vorwegzunehmen: Beides ist ausgezeichnet gelungen. An den zentralen Elementen des Gameplays hat sich nichts verändern, so klettert, schleicht, kämpft und meuchelt man wie gehabt. Man hat aber daran gearbeitet, diese Tätigkeiten zu verfeinern bzw. zu erweitern. Ezios Geschicklichkeit sind etwa etwas ausgeprägter als die von Altair, so klettert, schleicht und bewegt man sich mit Ezio alles in allem geschmeidiger und ist darüber hinaus noch ein exzellenter Schwimmer. Auch beim Kampfsystem hat Ezio deutliche Vorteile, so stehen nicht nur neue Waffen, wie die Pistole oder Rauchbomben, zur Verfügung, sondern auch verfeinerte Kampffertigkeiten, wodurch die Kämpfe an Tiefe gewinnen – Konter sind aber weiterhin viel zu stark.

 

Die Tugenden von „Assassin’s Creed“ wurden also beibehalten und darüber hinaus ausgebaut. Die Schwächen wurden hingegen komplett ausgemerzt. Die Missionen präsentieren sich abwechslungsreich, die Handlung schreitet flüssig voran und motiviert durchgehend bis zu Finale und auch die Nebenmissionen können überzeugen, so geht man mal in ein auf Geschicklichkeitspassagen konzipiertes Level auf Schatzjagd, seiner Berufung als Mörder auch nebenberuflich nach oder löst Rätsel, die interessante Hintergrundinformationen liefern. Ein paar Schmankerl im Laufe des Abenteuers, wie ein Flug mit Da Vincis Gleitmaschine, eine rasante Flucht mit einer Pferdekutsche oder Abschnitte, in denen man mit Desmond – einmal gar mit Altair – seine Fähigkeiten auf die Probe stellen kann, sorgen für das Extra an Abwechslung.

 

Geld spielt ebenso eine zentrale Rolle, so kann man sich damit nicht nur mit Medizin, Waffen und Rüstungen eindecken, sondern auch die Heimat von Ezio auf Vordermann bringen. Wer nämlich in die Infrastruktur der Stadt investiert, wird bald darauf schon fürstlich belohnt. Darüber hinaus ist es schön anzusehen, wie sich die runtergekommene Stadt zu einer kleinen Metropole entwickelt. Allgemein ist es sehr sehenswert, wie die Renaissance zum Leben erweckt wurde, vor allem die Metropolen Florenz und Venedig. Da sich die Handlung über mehrere Jahrzehnte erstreckt, kann man auch hier die Entwicklungen in den Städten bestaunen. Grafisch gelungen präsentieren sich ebenfalls die Charaktere, etwa historische Persönlichkeiten wie Leonardo Da Vinci oder Rodrigo Borgia, lediglich bei der Mimik hadert es vereinzelt und die KI der „normalen“ BürgerInnen hat ihre Aussetzer. Untermalt wird die Renaissance durch einen sehr hörenswerten Soundtrack, der für die Epoche passend erscheint, aber gleichzeitig auch modern Töne einfließen lässt. Der Spagat ist ausgezeichnet gelungen.

Fazit

„Assassin’s Creed“ war eine kleine Enttäuschung, denn das Potenzial konnte zu keinem Zeitpunkt ausgeschöpft werden und der Spielspaß ging nach sehr wenigen Stunden gen Null. Ubisoft hat aber daraus gelernt und lieferte mit „Assassin’s Creed II“ ein überragendes Spiel ab, welches die Tugenden des Vorgängers perfektioniert und die Schwächen ausmerzt. Auf SpielerInnen wartet ein spannendes und abwechslungsreiches Abenteuer, welches von der ersten bis zur letzten Sekunde wunderbar unterhält und Lust auf mehr macht – für das verwöhnte Auge auch als HD-Remake erhältlich.


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