The Secret of Monkey Island


„He can hold his breath for 30 years!“

1990 flimmerte ein gewisser Guybrush Threepwood erstmals über die Bildschirme von Point-and-Click-Adventure-Fans und erzählte einem Wildfremden von seiner Absicht, Pirat zu werden. Dass dies weitreichende Konsequenzen haben würde, konnte damals wohl noch kaum jemand ahnen. Kurz darauf erlebte Guybrush nämlich nicht nur ein unglaubliches Abenteuer auf der Suche nach dem Geisterpirat LeChuck, der die Bürgermeisterin von Mêlée Island entführt hatte, und der sagenumwobenen Monkey Island, sondern lieferte eines der besten Point-and-Click-Adventures aller Zeiten ab, verhalf seinem ohnehin schon anerkannten Entwicklerstudio zu Weltruhm und startete eine Reihe, die sich nun schon seit knapp 30 Jahre erfolgreich behauptet.

 

Ihren Anfang nahm die Erfolgsgeschichte allerdings wenig spektakulär mit der einfachen Idee des Spielentwicklers Ron Gilbert, ein Piratenspiel zu machen. Gilbert hatte schon an einigen Erfolgen des Studios Lucasfilm Games (später LucasArts) mitgearbeitet, wie etwa an „Zak McKracken and the Alien Mindbenders“ oder „Indiana Jones and the Last Crusade: The Graphic Adventure“, so hatte er sich schon einen gewissen Ruf erarbeitet und konnte in Ruhe und mit den nötigen Freiheiten von Seiten des Entwicklerstudios an „The Secret of Monkey Island“ arbeiten. Bei der Entwicklung des Spiels spielten zwei weitere Kreativköpfe eine zentrale Rolle, nämlich Tim Schafer („Grim Fandango“, „Brütal Legend“) und Dave Grossman („Maniac Mansion: Day of the Tentacle“, „Sam & Max: Season One“).

„The Secret of Monkey Island“ wurde so zu einem Sammelsurium an Ideen und Einfällen und die Macher konnten sich nach Lust und Laune austoben. Das Ergebnis war ein Piratenabenteuer mit Geistern, Voodoo-Zauber, Kannibalen und mehr mit einem ausgeprägten Sinn für Humor. Trotz – oder gerade wegen – dieser verrückten Mischung wirkt „The Secret of Monkey Island“ stets stimmig. SpielerInnen können somit in diese einzigartige Welt eintauchen und mit Guybrush das vier Kapitel („The Three Trials“, „The Journey“, „Under Monkey Island“ und „Guybrush Kicks Butt“) umfassende und für Stunden unterhaltende Abenteuer genießen.

 

Der erwähnte Humor bietet alles, was das Herz begehrt – von unterhaltsamen Absurditäten wie Schwertkämpfe, die über Beleidigungen entschieden werden (A: „You fight like a dairy farmer“; B: „How appropriate. You fight like a cow“), über Running Gags („My name is Guybrush Threepwood and I’m a mighty pirate”) und Anspielungen auf andere Spiele oder Filme (“I’m selling these fine leather jackets”, “Ask me about Loom”) bis hin zu Zeitgeist-Humor (“Never pay more than 20 bucks for a computer game”). Während man also damit beschäftigt ist, die teils schweren, aber stets nachvollziehbaren Rätsel zu lösen, werden durchgehend – auch in kleinsten Details – unvergesslichen Momenten und erinnerungswürdigen Zitaten geboten, womit das Spiel von der ersten bis zur letzten Sekunde äußerst unterhaltsam bleibt. Dies hat man auch den grandiosen Figuren zu verdanken, die allesamt ihre Macken haben, aber stets auf ihre eigene Art und Weise sympathisch bleiben – selbst Bösewicht LeChuck.

 

Technisch sieht man dem Spiel selbstverständlich sein Alter an, was aber keinesfalls negativ ins Gewicht fällt, denn was aus den aus heutiger Sicht beschränkten Mitteln der SCUMM Engine rausgeholt wurde, ist aller Ehren wert und in meinen Augen zeitlos, denn „bessere“ Grafik könnte einfach nichts an „The Secret of Monkey Island“ verbessern. Der Soundtrack kann sich auch hören lassen, so ist hier zum Beispiel schon die berühmte Titelmelodie der Serie zu hören, und macht, wie auch alle anderen Melodien und Geräusche, einen sehr guten und vor allem passenden Eindruck. Dass man sich hier und da einmal mit Stille zufrieden geben muss, ist auch verkraftbar, denn dadurch, dass es keine Sprachausgabe gibt, bleibt es einem offen, den Figuren eine persönliche Note zu verpassen.

Fazit

„The Secret of Monkey Island“ ist ein Meisterwerk des Point-and-Click-Adventure-Genres und war der Startschuss einer nun schon drei Jahrzehnte lang relevanten Reihe. Das erste Abenteuer von Guybrush Threepwood besticht vor allem durch erstklassigen und abwechslungsreichen Humor, eine Menge fordernder Rätsel und sympathische Charaktere. Auch von der technischen Seite kann man das Spiel nur loben, so zaubert das Spiel mit beschränkten Mitteln sehenswerte Bilder mit viel Liebe zum Detail auf den Bildschirm und liefert den einen oder anderen Ohrwurm ab. Nur eine Frage bleibt offen, und zwar, was nun das Geheimnis von Monkey Island ist, aber das ist eine andere Geschichte …


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