Mega Man


„Robotischer Trendsetter mit weirdem Porträt“

Ein sympathischer, blauer Roboter – auf westlichen Cover weitaus weniger sympathisch und gar weniger blau – betrat im Jahr 1987 die Videospiel-Landschaft und sollte einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Mit „Mega Man“ startete nämlich nicht nur die Erfolgsgeschichte des hauptsächlich von Keiji Inafune („Onimusha“, „Dead Rising“) konzipierten Helden, der bis zum heutigen Tag in über fünfzig Spielen einen Auftritt hatte, sondern auch die des Entwicklerstudios Capcom. Das Unternehmen war nämlich bis Mitte der Achtziger lediglich mit Arcade-Spielen beschäftigt und landete mit „Mega Man“ für NES seinen ersten großen Konsolen-Hit … weitere Perlen wie „Street Fighter“, „Resident Evil“ oder „Phoenix Wright: Ace Attorney“ sollten folgen.

 

Dr. Thomas Light und Dr. Albert W. Wily sind seit ihrer gemeinsamen Universitätszeit erbitterte Rivalen und Spezialisten auf dem Gebiet der Robotertechnologie. Während Dr. Light allerdings im Sinne der Gesellschaft forscht, will Dr. Wily die Weltherrschaft an sich reißen. Als Dr. Light erste Ergebnisse erzielt, hat Dr. Wily genug davon, seinem Rivalen stets unterlegen zu sein und programmiert die Industrieroboter Cut Man, Guts Man, Ice Man, Bomb Man, Fire Man und Elec Man, für die Dr. Light den Nobelpreis bekam, kurzerhand für seine Zwecke um. Dr. Light hat allerdings ein Ass im Ärmel: Mega Man, der vom machthungrigen Wissenschaftler übersehen wurde. Für Mega Man beginnt nun der Kampf für die Aufrechterhaltung des Traumes einer friedlichen Koexistenz zwischen Roboter und Menschen.

„Mega Man“ lässt sich, um es einem Genre zuzuweisen, als Action-Platformer beschreiben, denn das Spiel verbindet das Grundkonzept eines Jump’n’Runs mit Action-Elemente. Prinzipiell setzt man sich in der Haut von Mega Man in erster Linie mit Geschicklichkeitspassagen und Feinden auseinander. Das Franchise wurde aber nicht aufgrund dieses relativ einfachen Rezepts zu einer Kult-Reihe, sondern etablierte bereits im ersten Anlauf Elemente, die zu Markenzeichen werden und somit die Beliebtheit von „Mega Man“ begründen sollten.

 

Diese Markenzeichen finden sich sowohl im Gameplay als auch in der Präsentation. Auf der Seite des Gameplays ist die freie Level-Auswahl zu erwähnen und dass Mega Man nach jedem Level die Spezialfähigkeit des besiegten Bosses – die sechs Robot Masters – erhält, die jeweils wiederum die Schwäche eines anderen Bosses darstellt. Diese Spezialfähigkeiten können darüber hinaus nicht wie der normale Beam unbegrenzt eingesetzt werden, sondern müssen, wie das Leben auch, über aufgesammelte Items aufgeladen werden. Diese Elemente bringen mit sich, dass eine gewisse taktische Vorgehensweise notwendig ist, denn auch der Schwierigkeitsgrad des Spiels sollte nicht unterschätzt werden, nicht umsonst zählt das gesamte Franchise zu den schwierigsten Reihen überhaupt.

 

Heute klassisch und bereits im ersten Abenteuer von Mega Man eingeführt, wurde ebenfalls, dass nach dem Abschließen der Hauptmissionen eine finale, in mehreren Abschnitten unterteilte Mission auf SpielerInnen wartet, und dass darin nicht nur neue Bosse lauern, sondern auch fleißig die bereits besiegten Robot Masters recycelt werden. Wer das gesamte Abenteuer also bestehen will, kommt nicht daran vorbei, im letzten Abschnitt alle errungenen Fähigkeiten taktisch geschickt einzusetzen. Neben dem Können ist auch eine Menge Geduld erforderlich, denn das Spiel verfügt über keine Passwörter oder Speicherfunktion. Erwähnenswert sind auch die zufriedenstellend präzise Steuerung, die gelungene Grafik, die zwar natürlich nicht mehr „State-of-the-Art“ ist, aber doch für ihr Alter sehr schick aussieht und eine Menge Charme versprüht, sowie der hörenswerte 8-Bit-Sound, denn auch gute Soundtracks gehören zu den Markenzeichen von „Mega Man“.

Fazit

Das „Mega Man“-Franchise begeistert mit seinem Spielprinzip nun schon seit über dreißig Jahren Jung und Alt. Beachtlich ist, dass der Erstling aus dem Jahr 1987 für NES bereits einen Großteil der für den späteren Erfolg der Reihe verantwortlichen Markenzeichen in sich vereint und somit den Weg für eine rosige Zukunft des blauen Roboters ebnete. Das ganze Potential des Spielprinzips wurde zwar im erste Teil verständlicherweise noch nicht ausgereizt, nichtsdestotrotz ist das Spiel nicht nur etwas für Retro-Fans, sondern für alle VerfolgerInnen des Mediums geeignet – der Wunsch nach einer echten Herausforderung vorausgesetzt.


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