InFamous


„Der Blitz von Empire City“

Videospielumsetzungen von Superhelden-Geschichten haben nicht den besten Ruf und erwecken oft den Eindruck, in erster Linie auf schnelles Geld aus zu sein – „cash grabs“ eben. Ausnahmen, wie etwa „Batman: Arkham Asylum“, bestätigen die Regel. Ähnlich wie einst M. Night Shyamalan mit „Unbreakable“ schlägt auch das Entwicklerstudio Sucker Punch Productions, bekannt für die Stealth-Jump’n’Runs um „Sly Reccoon“, einen anderen Weg ein. Anstatt ein Spiel um existierende Superhelden zu entwickelt, bedient man sich der erzählerischen und inszenatorischen Merkmale eines Comics und kreiert damit etwas Neues.

 

Empire City wird von einer Explosion gigantischen Ausmaßes erschüttert und ins Chaos gestürzt. Wortwörtlich mittendrin überlebt der Fahrradkurier Cole MacGrath die Katastrophe wie durch ein Wunder. Als er wieder zu sich kommt, muss er nicht nur feststellen, dass er von nun an über Kräfte verfügt, mit denen er Herr über die Elektrizität ist, sondern auch, dass er für die Katastrophe verantwortlich gemacht wird. Zu allem Überfluss hat die Regierung die Stadt abgeriegelt und weitere Individuen mit Superkräfte lauern darauf, die Kontrolle über Empire City zu übernehmen.

Trotz des guten Ansatzes ist die Geschichte nicht unbedingt die Stärke von „InFamous“, dafür gestaltet sich die Handlung teilweise zu sprunghaft und die Charaktere agieren nicht immer nachvollziehbar. Das starke Finale inklusive genialer Enthüllung entschädigt aber für die eine oder andere Schwäche im Storytelling. Etwas enttäuschend, allerdings erst bei einem zweiten Durchgang bemerkbar, ist, dass es für die Handlung ziemlich irrelevant ist, ob man gut oder böse ist, wodurch die zu treffenden Entscheidungen einen eher kalt lassen. Diese Irrelevanz bezieht sich aber lediglich auf die Handlung, spielerisch – und hier liegt die eigentliche Stärke des Spiels – macht es hingegen schon einen Unterschied, ob man Held oder Schurke ist.

 

Das Gameplay überzeugt dabei mit einer Vielzahl an Möglichkeiten, die die Superkräfte von Cole zur Verfügung stellen. Nicht nur im Kampf ist der Elektrizitätsheld mit zahlreichen Attacken – teils nur für Superhelden, teils nur für Superschurken erlernbar – bestens für Konfrontationen aller Art gerüstet, sondern auch über Kabel oder Schienen darf gedüst und über den Dächern der Stadt geschwebt werden. Die Spielwiese ist dabei die in drei Bezirke – á la „Grand Theft Auto“ – unterteilte Empire City, in der man sich frei bewegen kann und die neben der Haupthandlung samt Auseinandersetzungen mit verschiedenen Gruppierungen und Bossen noch mehr zu bieten hat.

 

Die Stadt will nämlich nicht nur Stück für Stück wieder mit Strom versorgt, sondern auch von kriminellen Banden befreit werden. Dies geschieht durch Nebenmissionen, von denen es ebenso welche exklusiv für Superhelden oder Superschurken gibt, die nicht ganz so abwechslungsreich ausgefallen sind, aber doch stets bei Laune halten – mal muss ein Rennen gegen die Zeit über den Dächern von Empire City bewältigt werden, mal Gefangene eliminiert bzw. an die Polizei übergeben werden. Um noch ein paar Worte zur technischen Umsetzung zu verlieren: Das Spiel sieht auch noch heute recht schick, die Zwischensequenzen im Comicstil sind ein Augenschmaus und auch der Soundtrack ist hörenswert inklusive guter SprecherInnen – selbst in den deutschen Synchronisation.

Fazit

Sucker Punch Productions liefert mit der Entstehungsgeschichte des Superhelden Cole MacGrath spielerisch ein herausragendes Gesamtpaket ab, welches sich vor keinem Genrevertreter zu verstecken braucht und einen Großteil des im Umlauf befindlichen Lizenzmülls weit hinter sich lassen kann. Vor allem die offene Welt und die zahlreichen Fähigkeiten des Protagonisten können überzeugen. Von der Handlung her kann das Spiel aber leider nicht das vorhandene Potenzial ganz ausreizen, das Ende entschädigt aber für die eine oder andere Schwäche und macht sehr viel Lust auf „InFamous 2“.


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