Full Pipe


„Klempner-Kurs für Dummies“

„Full Pipe“ vom russischen Entwicklerteam Pipe Studio wurde erstmals 2003 veröffentlicht, allerdings in nur wenigen Ländern und als Teil der „1C: Game Collection“ – benannt nach dem Publisher 1C Company. Bei der Russian Game Developer’s Conference 2004 machte das Spiel wieder auf sich aufmerksam, bevor 2006 die große Stunde der kleinen, russischen Adventure-Produktion folgen sollte, als das Spiel über Steam weltweit veröffentlicht wurde. Eine süße Erfolgsstory, aber wie schlägt sich das immerhin nun 17 Jahre alte Spiel heute?

 

Der Plot dreht sich um den kauzigen Dude, der eines Tages auf der Suche nach seinen verlorenen Pantoffeln ein Loch unter seinem Bett entdeckt. Dieses führt in eine merkwürdige Welt gefüllt von bizarren Wesen und beherrscht von irrationalen Gesetzen. Nun liegt es an Dude, das Geheimnis dieser Welt zu lüften und dem Labyrinth aus Rohren zu entkommen. Die Aufgabe im Point-and-Click-Adventure lautet, Dude durch das Labyrinth zu führen, mit den Wesen zu interagieren, Rätsel zu lösen und Minispiele zu absolvieren.

Die Rätsel und die Minispiele, zwei zentrale Elemente des Spiels, die während der Flucht aus der Röhrenwelt das Geschehen auf Trab halten, präsentieren sich sehr unterschiedlich. Die Rätsel wirken sich in erster Linie großteils unlogisch, so dass vor allem willkürliches Experimentieren gefragt ist. Die Entwickler wählten diesen Schritt ganz bewusst, um ihre Welt komplett von der Realität abzukoppeln, wodurch eigene Gesetze und eine eigene Logik in der Welt von „Full Pipe“ Gültigkeit haben sollen. Ein durchaus interessanter Ansatz, der dadurch ausgeglichen wird, dass sich etwa in den Hintergründen versteckte Hinweise befinden. Nichtsdestotrotz hat das mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit mehrere Fruststellen zur Folge, die sich über das gesamte Abenteuer ansammeln und schlussendlich einen unangenehmen Nachgeschmack hinterlassen. Bei den Minispielen sieht die Sache schon anders aus, so sind sie leicht verständlich, gut umgesetzt und sorgen für die nötige Dosis Abwechslung.

 

Die Welt von „Full Pipe“ bildet eigentlich das Herzstück des Ganzen, so gibt es immer wieder etwas zu entdecken. Während die Röhrenwelt erwartungsgemäß etwas runtergekommen aussieht, aber doch voller Details steckt, bringen die schrägen, aber doch zutiefst menschlich agierenden Gestalten Leben rein und sorgen für die Höhepunkte des Spiels. Grafisch präsentiert sich „Full Pipe“ zwar auf dem ersten Blick schlicht und einfach, mehr hatten die Macher aber auch einfach nicht nötig, um eine eigene Welt zu erschaffen – Minimalismus in Perfektion. Ebenfalls gelungen ist der Soundtrack, der auch als schlicht und einfach beschrieben werden kann – eine passende Soundkulisse, die die Atmosphäre gut zu unterstreichen weiß.

Fazit

„Full Pipe“ bietet eine durchaus faszinierende Welt voller schräger Gestalten, die Leben in das Abenteuer von Dude bringen. Audiovisuell kann das Spiel trotz seines simplen und schlichten Stils ebenfalls überzeugen. Leider erfüllt das Spiel nicht die Mindestanforderungen, die man an ein gutes Point-and-Click-Adventure stellen muss, nämlich gelungene Rätsel zu bieten. Die Rätsel folgen nämlich selten einer nachvollziehbaren Logik, was durchaus beabsichtigt ist, aber trotzdem für viel Frust sorgt, den Spielfluß bremst und den Eindruck erweckt, dass das nicht übermäßig lange Spiel künstlich in die Länge gezogen wird. Genre-Fans, die Logik für etwas überbewertet halten, können bei „Full Pipe“ nichts falsch machen.


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