Again


„Krimi zum Nachspielen im Buch-Format“

Das japanische Entwicklerstudio Cing versteht es, Adventure-Fans mit Perlen wie „Another Code: Two Memories“ oder „Hotel Dusk: Room 215“ ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Die Erfolgsgeschichte hat neben Höhen aber auch Tiefen – das vermeintliche schwarze Schaf ist „Again“ für Nintendo DS aus dem Jahr 2009. Während das Spiel weder in Japan noch in Amerika punkten konnte, durfte es sich in Europa erst gar nicht beweisen. Die Frage ist daher, ob „Again“ aus gutem Grund ignoriert wurde?

 

Der Plot dreht sich um FBI-Agent Jonathan Weaver, kurz J., der als einziger Überlebender eines alten Serienmordes von seiner Vergangenheit eingeholt wird, als ein neuer Mörder die „Providence“-Fälle kopiert. Bei den Ermittlungen offenbart sich Jonathans Gabe, in die Vergangenheit zu blicken – ein entscheidender Vorteil.

Wie bei so manchem Spiel aus dem Hause Cing wird auch bei „Again“ der Nintendo DS wie ein offenes Buch gehalten. Gerne wird bei solchen Spielen von einem interaktiven Roman gesprochen, „Again“ ist aber eher eine interaktive Krimiserie, so hat man für die Charaktere echte Schauspieler verpflichtet, mit relativ vielen Videosequenzen gearbeitet und die Kapitel wie Folgen einer TV-Serie inszeniert. Bei der Präsentation, bei der auch noch der Soundtrack positiv hervorsticht, hat man sich somit sichtlich Mühe gegeben und das Endresultat kann sich sehen lassen. Auch der Plot hat gute Ansätze, leider entwickelt sich das Ganze wenig aufregend und kann nicht wirklich mit einer gelungenen Auflösung aufwarten.

 

Sind Präsentation und Plot zumindest teilweise positiv hervorzuheben, hapert es am spielerischen Vergnügen. Das Gameplay besteht aus zwei Elementen: Zum einen geht es darum, die Tatorte so herzurichten, wie sie in der Vergangenheit ausgesehen haben, um bei J. eine Vision auszulösen. Auf dem linken Bildschirm sieht man die Vergangenheit, auf dem rechten Bildschirm die Gegenwart, und beide Tatorte müssen bis aufs kleinste Detail in Einklang gebracht werden. Diese Abschnitte gehören zu den spielerischen Highlights, zwar wird man wenig gefordert und die Rätsel sind alles andere als originell, dafür warten aber immer sehenswert in Szene gesetzte Visionen, wodurch das Ganze durch diese Belohnung immer motivierend bleibt. Zum anderen geht es darum, Informationen zu sammeln. Dieser Teil macht rund sieben der insgesamt zehn Stunden Spielzeit aus und ist einfach nur demotivierend und teils frustrierend. Alles zieht sich unnötig in die Länge, es gibt keine Aufgaben zu erfüllen und die „Herausforderung“ beschränkt sich darauf, hirnlos Tasten zu drücken. Die teils unerträgliche Eintönigkeit wird dadurch verstärkt, dass die Dialoge langweilig geraten sind und die Charaktere austauschbar bleiben.

Fazit

„Again“ ist im Vergleich zu anderen Spielen aus dem Hause Cing doch eine Enttäuschung und lediglich als durchschnittlich zu bezeichnen. Während die Präsentation als interaktive Krimiserie Potenzial hat und der Plot interessante Ansätze bietet, scheitert es am Gameplay. Das zentrale spielerische Element, das Arrangieren des Tatorts, ist zwar ganz nett und weiß zu unterhalten, dazwischen herrscht aber zu oft Leere, was verkraftbar wäre, bestünde das Spiel nicht zu zwei Dritteln daraus. Zusammenfassend können Krimi-Fans durchaus einen Blick darauf werfen, aber alles in allem hat das Spiel den Sprung nach Europa aus nachvollziehbaren Gründen nicht geschafft.


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