Metal Gear Rising: Revengeance


„Ninja Raiden oder: Spin-off à la Metal Gear"

Hört man im Post-„Metal Gear Survive“-Zeitalter von einem Spin-off zur legendären Reihe von Mastermind Hideo Kojima, wird einem angst und bange. Vor ein paar Jahren hingegen stand man sogar einem Action-Ableger um Fast-Liebling Raiden kaum negativ gegenüber. Raiden hatte sich vom Anfänger mit Beziehungsstress zum Badass-Ninja entwickelt ‒ eine Entwicklung, die bereits 2009 mit „Metal Gear Solid: Rising“ durchleuchtet werden sollte. Zum Handkuss kam Raiden aber erst 2013, dafür aber mit geballter Rückendeckung: Kojima Productions spendierte sich mit Platinum Games Actionexpertise und der Spielerschaft ein „Bayonetta“ im „Metal Gear“-Universum.


Zwischen 2009 und 2013 haben sich aber nicht nur der Titel und das Entwicklerteam verändert, sondern auch das Konzept des Spiels. Zum einen ist der Plot in die Zukunft verlagert worden: Aus dem Wandel von Raiden wurde eine im Gesamtkontext komplett irrelevante Fortsetzung zu „Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots“. Zum anderen ist dem Spiel deutlich anzumerken, dass Platinum Games das Sagen hatte. Was bedeutet das im Klartext? Ein rasantes Gameplay, eine coole Inszenierung und spektakuläre Over-the-Top-Action.

 

Raiden's Back

 

An ein klassisches „Metal Gear“ erinnern höchstens noch kleinere Spielereien ‒ Stichwort VR-Training. Auch einzelne vielschichtige Charaktere, etwa Bösewicht Jetstream Sam, und die behandelten Themen wie Kriegswirtschaft oder Kindersoldaten gehören zum Standardrepertoire. Zweifelsfrei werden sie aber etwas oberflächlicher angeschnitten, als noch in der Hauptreihe. Im Kern wollte das Spiel aber eine andere Erfahrung im „Metal Gear“-Universum bieten. Daher stellt sich eigentlich nur eine Frage: Wie schlägt sich Raiden als vom Gesamtkonstrukt „Metal Gear“ relativ losgelöster Actionheld?

 

Gar nicht mal so schlecht, aber auch nicht überragend, um die Antwort gleich vorweg zu nehmen. Das Kampfsystem, ohne Frage das Herzstück des Spiels, macht dabei eine gute Figur braucht ‒ auch wenn es etwas Eingewöhnungszeit benötigt und man einen Tick zu lange mit simplem Button-Mashing zum Erfolg kommt. Wenn dann mehr von einem verlangt wird, ist das Spiel bereits zur Hälfte vorbei und das facettenreichen Gameplay bleibt ein wenig auf der Strecke.

 

Jack The Ripper geht seinen Weg

 

Hat man das Gameplay erst einmal verinnerlicht, machen die Kämpfe speziell gegen Bosse  enorm viel Spaß. Die Gegner werden mit dem Schwert und anderen Waffen komboreich bearbeitet, mit einem Konter oder einem Quick-Time-Event in Position gebracht und mit dem „Free-Slicing“-Feature individuell und in Zeitlupe ins Jenseits befördert. Klingt einfach und auch ein wenig repetitiv, ist es aber nicht ‒ vor allem das „freie Schneiden“ wird wirklich nie langweilig.

 

Das kann auch damit zusammenhängen, dass das Spiel nicht länger als rund sechs Stunden ist. Kommt man einmal in Fahrt, ist das Ganze auch schon wieder vorbei  schade. Zudem hat sich eine Spaßbremse ins Spiel eingeschlichen: Die Kamera macht leider zu oft, was sie will. Ansonsten gibt es bei der Umsetzung nichts zu meckern. Die Grafik kann sich sehen lassen und der Soundtrack ist wild, laut und durchaus unkonventionell, passt aber doch irgendwie perfekt.

 

Lightning Bolt Action

 

Dem Hardcore-„Metal Gear Solid“-Fan in mir fällt eigentlich nur ein guter Grund ein, warum man „Metal Gear Rising: Revengeance“ gespielt haben sollte: Sunny und ihr Mini-Comeback. Der Action- und Platinum Games-Fan in mir hingegen hatte seinen Spaß mit „Raidenetta“. Es kommt also auf die Erwartungshaltung an und auch wenn das Spiel nicht perfekt ist, steckt zumindest ein interessantes Konzept dahinter, das auch noch zufriedenstellend umgesetzt wurde und ein paar unterhaltsame Stunden garantiert: Experiment geglückt!

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