Planetarium


„Die gescheiterte Suche nach einer Filmsensation"

Eine Séance ‒ die spiritistische Sitzung, in der ein Medium Kontakt mit der Welt der Toten aufnimmt ‒ ist, ob man daran glaubt oder nicht, im Kern eine Show. Diesen performativen Charakter erkennt Filmproduzent André Korben, der mit den talentierten Barlow-Schwestern eine Sensation wittert und die Auferstehung des französischen Kinos in den späten Dreißigerjahren anstrebt. Trotz Star-Power ‒ Natalie Portman ‒ und interessantem Ansatz bleibt Regisseurin Rebecca Zlotowski aber an der Oberfläche hängen und ohne Fokus.


 

Im Zuge eines Publikumsgesprächs erzählte die äußerst sympathische Regisseurin von den vielen Ideen, die zum Drehbuch von Planetarium führten: Die mediale Sensation um eine Séance in Amerika, der Wunsch einer Verortung im Frankreich der Vorkriegszeit, die Berührungspunkte zwischen Séancen und Filmbranche sowie die Lebensgeschichte eines vergessenen Produzenten gehörten dazu, waren aber noch lange nicht alle. Obwohl ich Offenheit sehr schätze, bringt diese Auflistung das zentrale Manko des Films gut auf den Punkt: Nicht nur zu viele Köche, sondern auch zu viele Zutaten verderben den Brei.

 

Black Swan-ish auf Abwegen

 

Recht unstrukturiert macht der Film immer wieder neue Baustellen auf, ohne diesen im weiteren Verlauf gerecht zu werden. Der Anfang ist noch vielversprechend und relativ geradlinig: Zwei Medien schlagen sich mit Sitzungen durch und finden eine einmalige Chance vor, in die Filmbranche vorzustoßen ‒ mit all den damit verbundenen Schattenseiten. Im Ansatz sowie in der bildgewaltigen Umsetzung, die sich an die Kino-Optik der Dreißigerjahre orientiert, steckt durchaus etwas Black Swan. Das Leben zwischen zwei Welten und die vermeintlich vielschichtigen Schwestern gehen aber schnell in einem Pool aus irrelevanten Nebenhandlungen und dahinplätschernden Oberflächlichkeiten unter.

 

Traurige Gewissheit hat man spätestens am Ende des Films, wenn man zurückblickt und merkt, dass sich kein Charakter weiterentwickelt hat und gewisse Ideen überhaupt nicht aufgegangen sind. Die Beziehung der Schwestern und des Produzenten zwischen Familientraum und sexuellen Spannungen? Keine Spur, und die Charaktere gehen so raus aus dem Drama, wie sie reingekommen sind: eindimensional. Das Kriegsszenario als stetige Bedrohung im Hintergrund? Eher eine willkommene Notlösung, um einen Handlungsstrang zu beenden und ein plumper Fingerzeig auf die Ungerechtigkeiten aus dieser Zeit.

 

Viele Ideen, wenig Ertrag

 

Was bleibt, ist in der Tat nicht viel. Der Start gelingt, die Séancen sowie die Backstage-Filmbranche sind ansprechend inszeniert und das Ensemble solide: Natalie Portman wirkt bemüht, Lily-Rose Depp glänzt aufgrund der Einfachheit ihrer Figur und Emmanuel Salinger bringt die Besessenheit seiner Figur gut auf die Leinwand ‒ mit kleineren Overacting-Ausrutschern. Je länger der Film allerdings läuft, desto mehr verliert er sein Ziel aus den Augen. Im Endeffekt scheitert er daran, sich von seinen Ursprüngen zu lösen: Die vielen Ideen sind noch da, ein guter Film ist daraus leider nicht geworden.

 

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