Train to Busan


„Mit Zug, Charme und Zombie nach Busan"

Zombies waren vor nicht allzu langer Zeit noch aufregend, haben aufgrund einer Marktsättigung aber deutlich an verfaultem Glanz verloren ‒ vor allem auf der großen Leinwand. In so einer Situation ist es nicht verwunderlich, wenn ein Außenseiter einspringen muss: „Train to Busan“ sorgt in Asien für Furore, bricht in seiner Heimat Südkorea Rekorde und hinterlässt auch bleibenden Eindruck auf weltweiten Festivals. Wie? Mit einem coolen Setting, Figuren mit Herz und goofy Gesellschaftskritik.


Ein Reh wird angefahren, der Täter begeht Fahrerflucht und das Opfer erwacht kurze Zeit später zuckend wieder zum Leben. Die kurze Saga des Zombie-Rehs am Anfang des Films verrät dabei schon überraschend viel über den Film: Die Reaktion des Fahrers nimmt die down-to-earth-Charaktere vorweg und die Wiederauferstehung ist in bester Horror-Manier inszeniert, hat aber auch keine Scheu davor, sich auch als ein wenig albern zu entlarven.

 

Ein paar Szenen später steht auch ein weiterer Eckpfeiler und Klassiker des Subgenres: die Gesellschaftskritik. Regisseur Yeon Sang-ho kann offensichtlich nichts mit der Ellbogengesellschaft anfangen und besonders „businessmen“ hat er zum Abschaum der Menschheit deklariert ‒ die Medien sowie die Regierung kommen aber auch nicht gut weg.

 

„World War Z on a Train"

 

„Was ist aber jetzt mit den Zombies?“, fragen sich bestimmt schon einige. Nun ja: „Snakes on a Plane“ goes „World War Z“ trifft es ganz gut. Unzählige schnelle Zombies sind unseren Helden und Heldinnen stets auf den Fersen, auch im Zug: Begegnungen auf engstem Raum sind vorprogrammiert. Einfallsreichtum, Spannung sowie gleichermaßen Humor und Drama spielen dabei die Hauptrollen, während Gore nicht auf der Gästeliste stand. 

 

Dass dieser Mix funktioniert, liegt vor allem am pausenlosen „um Haaresbreite entkommen“-Gefühl und an den Charakteren. Klar, sie sind wandernde Klischees. In Eifer des Gefechts reagieren sie aber herrlich natürlich ‒ ob mit einem flapsigen Kommentar, einem verzweifelten Weinkrampf oder einem absurden Plan, der in so einer Situation durchaus aufkommen kann ‒ und sorgen so dafür, dass man sich mit ihnen identifizieren kann.

 

Eine der aufregendsten Zugfahrten aller Zeiten

 

„Train to Busan“ erfindet das Genre nicht neu. Insofern ist der Hype für meinen Geschmack doch ein wenig übertrieben. Ein Best Practice-Beispiel, wie man das Genre angehen kann und mit ein paar frischen Ideen sowie starken Eckpfeilern ‒ likable Charaktere sowie Humor und Drama in einem harmonischen Verhältnis ‒ zum Erfolg kommen kann, ist der Film aber allemal. Und die Grundmessage ist zumindest unterhaltsam: Zombies sind schlimm, Geschäftsleute aber viel schlimmer!

 

* Regisseur Yeon Sang-ho fühlt sich auch im Animationsbereich heimisch und hat mit dem Animationsfilm „Seoul Station“ ein Prequel zu „Train to Busan“ erschaffen.

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