War Dogs


„The American Dream ... with Lots of Guns"

Waffenhandel ist ein großes Geschäft und wenn zwei Twentysomethings aufgrund absurd wirkender Auftragsvergaben der US-Army ‒ brought to you by George W. Bush ‒ zu millionenschweren Dealern werden, ist Hollywood nicht weit entfernt. „War Dogs“ zeigt die wahre Geschichte von Efraim Diveroli und David Packouz ‒ zwar bis zur Unkenntlichkeit ausgeschmückt, dafür aber sehr unterhaltsam und ohne Moralkeule.


Der amerikanische Traum kann hart erarbeitet werden, aber auch die Abkürzung über Road Illegality ist eine Option. Der Weg unserer Waffenhändler liegt irgendwo dazwischen. Mit kleinen Aufträgen halten sie sich über Wasser, mit steigenden Einnahmen und sinkenden Skrupel finden sie sich aber bald in einem Teufelskreis wieder, in dem nur eines gilt: Das Produkt abzuliefern, egal wie. Das Wort „Produkt“ ist absichtlich gewählt, denn genau so werden Waffen und Kriegsausstattung hier verstanden. Wer einen Wandel der Charaktere oder eine Anti-Kriegs-Message erwartet, wird enttäuscht sein. Es geht um zwei Geschäftsleute, die nicht unbedingt wissen, was sie tun, aber doch erfolgreich sind ‒ dem System sei Dank ‒ und aufgrund der Natur des Produktes in brenzlige Situationen geraten.

 

This isn't about being pro-war, this is about being pro-money

 

Große Abenteuer sollte man aber nicht erwarten, denn bis auf eine rasante Fahrt durch ein Kriegsgebiet mit leichtem Slapstick-Einschlag spielen vor allem Worte die Hauptrolle. Pointiert und mit schwarzem Humor sowie Sarkasmus versehen, reden sich die Figuren durch ihre Deals  im späteren Verlauf auch in ihren Untergang  und bieten zwei Stunden feinste Unterhaltung. Dass Regisseur und Mit-Drehbuchautor Todd Phillips aus coolen Dialoge und kleinen, furiosen Tempo-Zündern ein spaßiges Vergnügen basteln kann, bewies er schon mit seiner „The Hangover“-Trilogie.

 

„Is this safe, driving to Baghdad? Very safe, fifty-fifty.

 

Obwohl die Plots von „The Hangover“ und „War Dogs“ nicht unterschiedlicher sein könnten, sind gewisse Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen. Da die Moralkeule glücklicherweise nicht ausgepackt und die Thematik nur oberflächlich behandelt wird, geht es im Kern nur um ein paar Leute, die in eine Situation geraten, die ihnen über den Kopf wächst und schlussendlich brutal eskaliert, bis dahin aber einfach Spaß pur war. Für das Publikum bleibt es sogar bis zum Ende spaßig, vor allem dank der starken Performances von Jonah Hill und Miles Teller, auch wenn ihre Charaktere nicht perfekt ausgearbeitet sind. Hill hat einen genialen Lacher drauf und bringt die „fuck it“-Mentalität wie selten zuvor auf die Leinwand, trifft aber einige nicht komplett nachvollziehbare Entscheidungen. Teller hingegen darf das Publikum abholen und durch die Ereignisse führen, bleibt dabei aber einen Tick zu passiv.

 

Always look on the bright side of war!

 

„War Dogs“ ist ein Geheimtipp für Fans von bösem Humor und beweist, dass gute geschriebene Dialoge und ein starkes Ensemble ‒ inklusive Kurzauftritt von Bradley Cooper ‒ unterhaltsamer sein können als der x-te Action-Blockbuster oder die flachste Komödie. Der Film ist nicht perfekt: Ein paar Punkte bleiben offen oder gar absurd ‒ etwa die Gründe für die Partnerschaft sowie die vertragliche Absicherung ‒ und der Film verlässt seinen Mikrokosmos nie, so dass die Waffenhandel-Thematik bestenfalls Aufhänger ist. Das kritisiere ich aber gar nicht, denn der Film will keine Message verbreiten, sondern einfach eine interessante Story erzählen und dem Publikum ein paar gute Stunden bescheren. Bei mir hat das geklappt! Die Charaktere waren vielleicht unsympathisch, skrupellos und geldgeil, aber ich hatte neben dem soliden Drama viel zum Lachen und eine tolle Zeit: Mein (bis dato) unterhaltsamstes Kino-Erlebnis des Jahres!

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