Batman: Arkham Asylum / Batman: Arkham City


„Arkham Beginnings"

Was Marvel für Filmfans bietet, liefert DC bei den Videospielen: Einfach gute und gekonnt an das Medium angepasste Comic-Umsetzungen. DAS Paradebeispiel? Natürlich Batman! Genauer gesagt die Arkham-Reihe und hierbei ganz besonders die Anfänge mit Asylum und City. Bevor „Batman: Return to Arkham“ beide Spiele in Ultra-HD zurückbringt, lohnt sich ein Rückblick auf der detektivischen Suche nach der Essenz des Erfolges und den wenige Low-Points, die im Zuge der einstimmigen Lobeshymnen vielleicht untergegangen sind. Ein makelloser Batman wäre schließlich nicht der dunkle Ritter, den wir kennen und lieben!

 


Comic-Umsetzungen haben oft das Problem, eine Welt zu erschaffen, in der die teils übernatürlichen Figuren sowie die oft abstrusen Handlungen stimmig wirken. Dieses Problem ist in Arkham aber unbekannt: Das Setting orientiert sich an die allseits beliebte Animated Series ‒ kreative Köpfe aus der Kultserie waren involviert ‒ und präsentiert ein Gotham, in dem de facto alles möglich ist, in einer solchen Selbstverständlichkeit, dass man dennoch eintauchen kann. Wo wir schon bei abstrusen Handlungen sind: Während die Geschichte von Asylum kleinere leaps of faith voraussetzt, geht die Fortsetzung bereits mit der Grundidee um die Verbrecherstadt all-in und legt permanent nach. Die treibende Kraft ist aber Batman und sein Duell mit dem Joker ‒ dank Mark Hamill pure madness and entertainment. Aber auch der gekonnte Einsatz anderer Bösewichte trägt dazu bei, dass Batman ein interessanter Charakter mit Ecken und Kanten bleibt: Das Trauma um seine Eltern ist noch nicht überwunden, sein Kodex steht permanent auf dem Prüfstand und seine psychische Verfassung sowie seine Rolle in Gotham werden in Frage gestellt.

 

Wenn alle Stricke reißen: Verprügeln geht immer

 

Diese Rolle sieht in Sachen Gameplay wie folgt aus: Mit einer übermächtigen und langsam wachsenden Ausstattung darf Batman ein bisschen Detektiv spielen ‒ immerhin deutlich mehr als in vielen anderen Inkarnationen ‒ und nebenbei als Schläger-Assassine die Gänge und Straßen von Arkham unsicher, oder in diesem Fall eher sicher, machen. Klingt vielleicht wenig spektakulär, der fließende Übergang dieser Elemente, das ansprechende Drehbuch sowie die vielen Gesichter mit Wiedererkennungswert sorgen aber dafür, dass man „I’m Batman“ so überzeugt wie nie zuvor sagen kann. Hoher Spielspaß ist somit garantiert, auch wenn die einzelnen Elemente noch nicht perfekt ausgereift sind ‒ das viel gelobte Kombo-Kampfsystem ist fast so over the top wie eine Schlägerei aus der legendären 1966er-Serie.

 

Good Villain, Bad Villain

 

 

Das Salz in der Suppe bei allen Superhelden sind natürlich seine Bösewichte, und in einem Videospiel sind diese dafür prädestiniert, als Bosse für die Highlights im Spiel zu sorgen. Arkham und City gehen überraschend unterschiedliche Wege ‒ hier ist auch der Grund begraben, der den Besuch in der psychiatrischen Anstalt zu einem knapp größeren Vergnügen macht als das Open World-Abenteuer in Arkham City. Gleichstand herrscht hingegen beim Umgang mit weiblichen Charakteren: Mehr als Eye Candy war scheinbar nicht drin.

 

„Arkham Asylum“ spielt gekonnt eine der Trumpfkarten aus, die die ersten zwei Teile der „Metal Gear Solid“-Reihe ausgezeichnet haben: Die Bösewichte sind nicht nur Bosse, sondern spielen auch eine übergeordnete Rolle im Plot. In Verbindung mit der räumlichen Geschlossenheit der Anstalt entsteht so ein atmosphärisches Gesamtbild, in dem jeder Charakter einem Puzzlestück gleicht. Die Bosskämpfe ‒ ausgenommen Scarecrows Albtraumwelten ‒ sind zwar aufgrund des überstrapazierten Einsatzes des Schlägerfußvolkes eher enttäuschend, tun dem Gesamteindruck aber keinen Abbruch.

 

„Arkham City“ steht eine offene Welt zur Verfügung, die es zu befüllen gilt. Das Motto von Entwickler Rocksteady? Klotzen statt kleckern. Ein Best-of gibt sich die Klinke in die Hand und sorgt für viele coole Cameos, aber selten für erinnerungswürdige Auftritte. Der Joker spielt in einer eigenen Liga und Mr. Freeze hat dank eines einfallsreichen Stealth-Showdowns ‒ die Bosskämpfe sind allgemein abwechslungsreicher ‒ seine 15 Minuten Ruhm, aber das war es auch schon wieder. Two-Face, der Pinguin, Catwoman und Deadshot, um nur eine kleine Auswahl zu nennen, sind schlicht verschwendet ‒ beinahe so wie der Open World-Zugang, der kaum Mehrwert bietet.

 


I'M BATMAN

 

Wer das I’m Batman-Gefühl erleben will, kommt nicht an die Arkham-Erstlinge vorbei. Die Spiele sind aufgrund der geschaffenen Welt, Story und Charaktere rund, schlüssig und wegen des gelungenen Detektiv-Prügler-Assassine-Gameplays verdammt unterhaltsam. Asylum hat zwar bei mir die Nase knapp vorne, da mehr mit den Bösewichten angefangen wurde als im „all-in“-Experiment in City, Spaßgranaten sind aber beide Spiele.

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