Suicide Squad


„Himmelfahrtskommando auf Abwegen"

Das DC Extended Universe (DCEU) will einfach nicht in die Gänge kommen. An Mut mangelt es Warner Bros. im Schatten von Marvel aber nicht: Nachdem die vermeintlichen Goldjungen – Batman und Superman – nicht ganz abliefern konnten, sollen es inmitten dieser schweren Geburt die Bad Boys ’n’ Girls vom Suicide Squad richten. Was kann da schon schiefgehen? Harley Quinn, der Joker und Deadshot sind absolute Fan-Lieblinge und mit Will Smith, Jared Leto und Margot Robbie ist auch Star-Power dahinter. Und dennoch: Auch der Underdog bringt nicht die Wende, ist aber zumindest kein Franchise-Selbstmord.


Mutiger als die Entscheidung, mit „Suicide Squad“ in die dritte DCEU-Runde zu gehen, ist die Wahl der Verantwortlichen: Zack Snyder durfte mit Superman und Batman beweisen, dass er in erster Linie ein visueller Regisseur ist, während mit David Ayer ein Regisseur und Drehbuchautor mit einseitiger Filmographie und ohne Blockbuster-Erfahrung gleich aufs Ganze gehen durfte. Späte Reshoots und Gerüchte um unzählige Fassungen legen bereits nahe, dass sich Warner Bros. mit Ayer verpokert hat und der Film bestätigt diesen Eindruck: „Suicide Squad“ wirkt zerstückelt unrund, bietet einige Peinlichkeiten und schafft es dennoch, alles in allem ordentlich zu unterhalten – mehr aber auch nicht.

 

A messy mess ... with some fun in it!

 

The joke’s on you, Joker: Trotz Vorab-Hype ist Batmans Erzfeind nur ein Schatten seiner selbst, seine Irrelevanz ernüchternd und die Performance fast peinlich – der Wahnsinn ist nie spürbar, dafür wirkt alles zu gekünstelt. Schon das Drehbuch hatte keine Ahnung, was es mit dem Joker anfangen soll – Jared Leto kann einem echt leidtun.

 

– Suicide Squad v Superman: Die Idee hinter der Gründung des Baddies-Selbstmordkommandos bzw. der Teams-Zusammenstellung ist hirnrissig. Wenn also jemand wie Superman die Menschheit – eher Amerika – angreift, soll der Suicide Squad eingreifen, right? I don’t think so. Der Kryptonier würde keine Minute brauchen, um das Team zu zerlegen – und das einzige Mitglied mit Potenzial wendet sich sofort gegen den Squad.

 

– Hochgeschwindigkeit in einem Akt: Der Film hat massive Pacing-Probleme. Die Einführung dauert zu lange, der Plot wird schnell hingeklatscht und entwickelt sich nicht weiter und bis zum Showdown gibt es eine Art Snapchat-Story zu begutachten: Eine lustige Sequenz um den Squad hier, eine kurze Actionszene da und ein Flashback dort – das Tempo bleibt hoch, das Geschehen dafür aber flach und bestimmt nicht in Erinnerung. Das tut schon eher der Showdown – aber aus den falschen Gründen.

 

 

+ Harley Quinn x Deadshot: Die Stars des Suicide Squads überzeugen. Will Smith ist einfach cool und hat offensichtlich seinen Spaß als Bad Boy mit Herz. Bei Margot Robbie ist die Sache nicht so einfach. Die Gratwanderung zwischen „over the top“ und „way over the top“ ist spot-on und sie verpasst der Figur eine persönliche Note – das Drehbuch sabotiert die Performance mit plumpen Szenen und flachen One-Linern aber leider einen Tick zu oft.

 

+ Das DCEU ist ein dunkler Ort: Während Zack Snyder mit einer düsteren Hochglanzoptik operierte, verschafft sich David Ayer einen etwas bodenständigen Zugang und erschafft dabei eine nicht minder düstere, aber umso glaubwürdigere Welt – passt ausgezeichnet zur Bösewicht-Thematik. Wo wir beim DCEU sind: Die Cameos von Batman und Flash machen Lust auf mehr, well done!

 

+ There is no I in „Squad“: Es gibt Stars, Randerscheinungen – Slipknot und Katana – und den ganzen Rest. Auch wenn alle Mitglieder des Suicide Squad noch etwas Feinschliff vertragen würden, ist ein Team vorhanden, das den Film gut über die Laufzeit trägt und auch Potenzial hat.

 


Einführung knapp bestanden, aber bereit für mehr

 

„Suicide Squad“ macht es sich echt schwer, gemocht zu werden. Einige ordentliche Ausrutscher ­– Joker – sowie ein furchtbares Drehbuch stehen guten Momenten und einem Squad mit Potenzial gegenüber. Ich lege das Ganze mal als soliden Blockbuster zu den Akten und würde mich sehr über eine Fortsetzung freuen – mit mehr Fachkompetenz hinter der Kamera bzw. dem Schreibtisch, mehr Relevanz für das DCEU, einem guten Bösewicht und mehr Opfer aus dem Team. „Selbstmord“ steckt ja nicht umsonst im Titel.

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