The Legend of Tarzan


„Me Movie Lover, You Weak Movie"

Tarzan ist wieder da – wirklich weg war er aber auch nie, wie über 200 Verfilmungen in seiner knapp 100-jährigen Geschichte beweisen. Zeit also für einen neuen Ansatz? „Nope“, dachte sich Warner Bros. und präsentiert „The Legend of Tarzan“ im Stile klassischer Abenteuerfilme – nur ohne Charme und Wow-Effekt, dafür aber inklusive einer unbegreiflichen Filmeditor-Sabotage. 


Evergreens sind – wie der Name bereits suggeriert – schwer totzukriegen, da ihre Beliebtheit aber nicht von ungefähr kommt, haben sie durchaus ihre Existenzberechtigung. Mit ein paar Twists kann man auch frischen Wind ins Geschehen bringen, und zwei Ansätze dafür sind auch vorhanden:

 

1. Weniger wird die Origins-Story vom König des Dschungels neu aufgerollt, sondern seine Rückkehr nach einem Stopp in der „Zivilisation“ thematisiert. 2. Die geschichtliche Verortung der Ereignisse ist konkreter als in vergangenen Verfilmungen und vermittelt ein paar Eindrücke über die Kolonialverhältnisse zwischen Europa und Afrika – kein Bildungskino, aber immerhin.

 

Näher an George of the Jungle als an einer Legende

 

Leider kann Harry Potter-Regisseur David Yates kein Kapital aus den neuen Ideen schlagen, wobei die Schwächen bereits im Drehbuch ihren Ursprung haben und im Schnitt so richtig aufblühen. Zugutehalten muss man dem Film zwar, dass er aufgrund des recht hohen Tempos, seiner Geradlinigkeit und der vom Timing her gut platzierten Actionszenen nie wirklich langweilig wird. Wegen einer teils unbegreiflichen Fehlerkette ist das aber fast das einzig Positive, das es über „The Legend of Tarzan“ zu sagen gibt.

 

Wie macht sich Tarzan eigentlich in der vermeintlichen Zivilisation? Ist er zerrissen zwischen zwei Welten? Fällt ihm die Rückkehr schwer? Ich habe nicht die geringste Ahnung, und Tarzan scheinbar auch nicht so wirklich. In England spielt er den Lord, im Dschungel rettet er nach Schema F die „damsel in distress“ – auch wenn Jane offensichtlich gerne mehr wäre – und nebenbei rettet er noch den Kongo: Tarzan ist ein aalglatter und langweiliger Held ohne Tiefe.

 

Das Film-Team wusste wohl um die Schwächen des Drehbuchs Bescheid, denn in Anbetracht dessen haben sie die Wahl des Schauspielensembles nach dem Motto „play it safe“ souverän gelöst. Margot Robbie sowie Alexander Skarsgård sind feinstes Eye Candy – ob an sich mehr, müssen sie in anderen Rollen beweisen. Dazu gesellen sich Samuel L. Jackson und Christoph Waltz in ihren Paraderollen: an sich ja gut, aber schön langsam langweilig.

 

The Jungle Studio

 

Bei solchen Filmen spielt das Ambiente eine tragende Rolle, schließlich sprüht der Dschungel nur so vor fast schon mystischer Faszination. Zumindest in der Realität, hier hingegen wirkt er sehr inszeniert bzw. staged, während lächerliche Special Effects – Lianenschwünge sahen selten unrealistischer aus – die bereits gescheiterte Immersion torpedieren. Der Schnitt setzt dem Ganzen aber die Krone auf. In einem Blockbuster ist mir solch eine amateurhafte Arbeit noch nie untergekommen: Kämpfe sind ein wildes Take-Durcheinander, wo kein Schlag dort landet, wo er sollte, der Showdown auf dem Boot aufgrund der seltsamen Take-Sprünge an eine Dia-Show erinnert und gar Gespräche unrund wirken – Waltz quittiert dies einmal mit einem herrlichen WTF-Blick und sorgt für einen Lacher auf der Meta-Ebene.

 

Wenn die Zielsetzung „absolutely forgettable“ lautete, dann hat „The Legend of Tarzan“ einwandfrei performed. Da dies kaum der Plan gewesen sein wird, bleibt der Film lediglich ein warnendes Beispiel, wie man sogar Evergreens ins Grab katapultieren kann. Da ich aber immer auf der Suche nach positiven Aspekten bin, nehme ich auch aus „The Legend of Tarzan“ gerne etwas mit: Die Stampede am Ende des Films erinnert sehr stark an Mufasas Untergang, und das nenne ich erinnerungswürdig. Da kann sich der König des Dschungels noch ein paar Scheiben vom König der Löwen abschneiden.

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